Seiteninhalt

Vom Qualitätsstandard weit oben!


Leben in München - Ein Interview mit Christine Strobl

Ein Gespräch mit der Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzenden der MÜNCHEN­STIFT Christine Strobl darüber, wie die Stadt und die MÜNCHENSTIFT auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahren vorbereitet sind.


Seit Ihrer Wahl zur Bürgermeisterin sind Sie Aufsichtsratsvorsitzende der MÜNCHENSTIFT. Ist das Betreiben von Altenheimen eine kommunale Aufgabe?
Strobl: Aber ja. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt: München muss für alle Münchnerinnen und Münchner Heimat sein. Alle sollen sich wohlfühlen, geborgen fühlen. Dafür ist es notwendig, die kommunale Daseinsvorsorge in jeder Hinsicht zu sichern – von der Kinderbetreuung bis zum Altenheim.

Könnten Sie sich vorstellen, in einem der zehn Häuser der MÜNCHENSTIFT Ihren Lebensabend zu verbringen?
Strobl: Jeder Mensch hat natürlich die Vorstellung, in seinem angestammten Umfeld alt werden zu wollen und möglichst lang in seiner Wohnung selbständig zu leben. Das Altenheim ist für viele die letzte Alternative, aber wenn es soweit wäre, würde ich in ein Haus der MÜNCHENSTIFT gehen. Die MÜNCHENSTIFT ist vom Qualitätsstandard ganz weit oben.

Auf die Altenhilfe kommen angesichts der demographischen Entwicklung in den nächsten Jahren große Herausforderungen zu. Wie gut ist die MÜNCHENSTIFT darauf vorbereitet?
Strobl: Wenn 2012 das Münchener Bürgerheim und das Haus an der Effnerstraße wieder eröffnet werden, sind alle Häuser der MÜNCHENSTIFT saniert oder neu gebaut. Ein Programm, das insgesamt 228 Millionen Euro umfasst. Geschäftsleitung und Aufsichtsrat haben dafür gesorgt, dass die Häuser baulich in einem guten Zustand sind. Die Angebote stehen dem in nichts nach und decken ein breites Spektrum ab. Das zentral gelegene Mathildenstift bietet zum Beispiel Selbständiges Wohnen an. Hilfsleistungen können die Senioren, die dort leben, bei Bedarf über den ambulanten Dienst erhalten. In den Häusern Alfons-Hoffmann, St. Maria und im Haus an der Rümannstraße gibt es so genannte Pflegeoasen, eine spezielle Betreuung von Demenzkranken, die schwer pflegebedürftig sind. In St. Josef, St. Martin, im Hans-Sieber-Haus und im Haus an der Rümannstraße gibt es beschützende Wohnbereiche mit Garten für Demenzkranke.

Die MÜNCHENSTIFT kann also mit anderen Anbietern konkurrieren?
Strobl: Durchaus. Viele ältere Menschen sagen, sie wollen in eine städtische Einrichtung. Das Vertrauen in die öffentliche Hand ist groß. Unsere Belegungsquote liegt bei 98,99 Prozent. Wir wollen nicht mit den Wohlfahrtsverbänden und kirchlichen Einrichtungen konkurrieren, sondern mit den privaten Anbietern. Die Finanzen sind genau austariert. Geht die Belegung runter oder gehen die Personalkosten durch eine Tariferhöhung hoch, kann es finanziell schnell eng werden.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser, sagt ein Sprichwort. Wie funktioniert die Kontrolle in den Häusern der MÜNCHENSTIFT? 
Strobl: Wir haben hier in München eine ganz stark besetzte Heimaufsicht. Mit 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – ab Sommer sind es 15 – ist die Heimaufsicht, die dem Stadtrat am Herzen liegt, in München personell gut ausgestattet und es findet eine qualitativ hochwertige Arbeit statt. Neuerdings sind die Heimaufsichtsberichte auch am Eingang ausgehängt und jeder Besucher kann sich persönlich ein Bild machen. Für mich ein gutes Signal, das zur Transparenz beiträgt und Diskussionen anstößt. Es ist die Linie von Aufsichtsrat und Geschäftsführung, auch mit Kritik und Problemen offen umzugehen. Wo so viele Menschen leben und arbeiten, kann immer mal etwas schief laufen. Anstatt so etwas zu leugnen, muss es darum gehen, nach den Ursachen dafür zu suchen und Abhilfe zu schaffen.

Um Senioren die Beurteilung von Altenheimen zu erleichtern, fordert die Bundesregierung ein Benotungssystem für die Heimbewertung. Ist das keine Alternative?
Strobl: Was ist von einer Überprüfung per Fragebogen und einer Bewertung mit Schulnoten zu erwarten? Auf alle Fälle keine schlechten Noten, nachdem die Heimträger selbst im Gremium sitzen.

Wo sehen Sie in Hinblick auf die wachsende Zahl von Senioren Nachholbedarf in der Stadt? Was würde Ihnen, wenn Sie heute alt wären, fehlen?
Strobl: 320000 Menschen über 60 Jahre leben in München – Tendenz steigend. An diese Entwicklung muss die Politik bei ihrer Planung denken, zum Beispiel in Hinblick auf die Mobilität, die im Alter eingeschränkt ist. Deshalb muss der öffentliche Nahverkehr möglichst benutzerfreundlich sein. Wer nicht mehr so gut zu Fuß ist, hat sonst ein Problem. Ich würde mir wünschen, im Alter, wenn ich nicht mehr so beweglich bin, in der Innenstadt zu leben. Nah am Leben. Wie meine fast 78-jährige Mutter, die seit 50 Jahren direkt im Zentrum lebt und mir bei der Versorgung meiner beiden Kinder eine große Hilfe ist.

Versuchen Sie sich auf das Alter vorzubereiten?
Strobl: Senioren von früher sind mit denen von heute nicht mehr vergleichbar. Sie altern langsamer. Das Alter schiebt sich von Generation zu Generation weiter nach hinten, beginnt eigentlich erst dann, wenn jemand erkrankt oder gebrechlich wird. Es ist wichtig, die Toleranz beizubehalten – gegenüber Jüngeren und gegenüber Älteren. Jeder war mal jung und jeder wird mal alt. Das sollte man im Kopf behalten.