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Winterzeit - Bewegungszeit

Bewegung ist gut für Körper und Geist. Ältere Menschen profitieren gerade in der kalten Jahreszeit von der großen Vielfalt der Gesundheits- und Fitness-Angebote.

Es regnet und graupelt, als Irma Sauerteig zu ihrem Kurs im Yoga-Institut am Marienplatz  eintrifft. Zusammen mit anderen Kursteilnehmerinnen, zehn Frauen unterschiedlichen Alters, führt sie konzentriert eine Stunde lang Yoga-Übungen durch. „Ich war schon über 50, als ich Yoga entdeckte. Harry Valerien hatte 1973 die amerikanische Yoga-Lehrerin Karin Zebroff ins Sportstudio eingeladen. Daraufhin wollte ich diese graziösen Bewegungen unbedingt lernen“, erinnert sich die 86-Jährige. „Ich wusste sofort, dass Yoga das Richtige für mich ist, denn ich habe zum ersten Mal gespürt, wie mein ganzer Körper atmet und sich ohne Schmerzen anfühlt.“

Zum Yoga-Unterricht kommt die Münchnerin seit 20 Jahren. Sie schätzt die Wirkungen der Übungen: „Durch die sanften Bewegungen, die Konzentration und die intensive Atmung wird alles besser durchblutet. Es ist auch hilfreich bei vielen Herausforderungen, da man das Loslassen lernt.“ Irma Sauerteig übt nicht nur zweimal in der Woche unter Anleitung in der Gruppe, sondern auch zu Hause täglich eine Viertelstunde lang: „Nur den Kopfstand mache ich wegen des erhöhten Augendrucks nicht mehr“, schränkt sie lachend ein.

Yoga-Lehrerin Margot Redl weiß, dass die Übungen für jedes Alter geeignet sind: „Körperliche Handicaps spielen keine Rolle. Selbst wenn man die Bewegungen nur in der Vorstellung ausführt, beleben, reinigen und durchbluten sie die inneren Organe und führen zu innerer Beweglichkeit“, erklärt die 86-Jährige, die seit 45 Jahren die jahrtausendealte Bewegungs- und Lebensphilosophie unterrichtet. „Die Übungen haben mir auch gegen die Schmerzen einer Verwundung aus dem Krieg geholfen“, so Margot Redl.

Die passende Sportart finden

„Ich mag keine klassische Gymnastik“, erzählt Rita Lohn-del Valle, zu ihren be­vor­zug­ten Bewegungsarten im Winter befragt. Seit einer Operation an den Bandscheiben vor drei Jahren besucht sie stattdessen einmal in der Woche einen Feldenkrais-Kurs im Alten- und Service-Zentrum Haidhausen, in dem sie sich auch ehrenamtlich engagiert. „Die langsamen, achtsamen Bewegungen gefallen mir. Ich bin schon darauf gestoßen, als ich noch berufstätig war und mir beim Fensterputzen die Schulter verrenkte“, erinnert sich die 70-Jährige.

Mit Feldenkrais kann man lernen, den Körper bewusster wahrzunehmen und neue Bewegungsabfolgen auszuprobieren. „Feldenkrais eignet sich für alle, auch für Ältere oder Behinderte. Es regt an, neugierig und spielerisch zu erforschen, wie man sich bewegt“, beschreibt Kursleiterin Ruth Geiersberger die Methode. „Gewohnheiten werden verändert, Lebendigkeit und Neues zugelassen, beispielsweise Variationen eines eingefahrenen Bewegungsablaufs neu entdeckt“, so die Feldenkrais-Pädagogin.

Doch nicht nur Feldenkrais steht bei Rita Lohn-del Valle auf dem Plan. Um neben den Gelenken auch ihre Muskeln und Kondition zu trainieren, geht sie zweimal in der Woche zum Muskeltraining in ein Fitness-Studio. Und auch der Winter hält sie nicht vom Wandern und Spazierengehen ab: „Mein Vorbild ist eine 89-jährige Nachbarin, die jede Woche zur Seniorengymnastik und zum Seniorentanz geht und dazwischen bis zu acht Kilometer weit wandert“, erzählt die gebürtige Argentinierin begeistert.

Auch im MÜNCHENSTIFT-Haus St. Josef steht viel Bewegung auf dem Plan. Wenn Karin West in das belebende Nass des Schwimmbads taucht, ist es nicht einmal 8 Uhr. Zwei- bis dreimal wöchentlich zieht die 93-Jährige im großen Becken ihre Runden: „Das Wasser ist ein Jungbrunnen. Wenn es draußen kalt wird, ist es am schönsten!“ Schwimmen ist für die aus Riga stammende Deutsche, die an Osteoporose leidet, eine ideale Bewegungsart: „Aber nur Rückenschwimmen! Ich mache auch noch einige Übungen, die ich in einer Osteoporosegruppe gelernt habe“, beschreibt Karin West ihr Bewegungsprogramm, das sie einmal wöchentlich mit Sitzgymnastik abrundet.

Das Stricken und Häkeln in der Bastelgruppe hält darüber hinaus nicht nur ihre Finger beweglich, sondern tut auch als Treffpunkt mit anderen Bewohnern gut: „Da sind nette Leute“, erzählt Karin West, die schon fast zehn Jahre in St. Josef wohnt. Nicht genug damit: Auch bei Glatteis im Winter lässt sie nicht von weiten Spaziergängen ab und – da die Busse der MVG direkt vorm Haus halten – auch nicht davon, ihre Runden um den Marienplatz und über den Christkindlmarkt zu gehen.

Andreas Huber musste sich hingegen nach einem Fahrradunfall vor zwei Jahren und einem Schlaganfall kurz danach in seinem Bewegungsradius sehr einschränken. „Mit viel Übung wird es langsam besser“, erzählt der 95-Jährige, „aber der rechte Arm und die Beine sind weiterhin gelähmt.“ Bis Mitte 80 war er noch regelmäßig im Gebirge unterwegs, sogar einen Viertausender hat er vor 23 Jahren bestiegen, in orthopädischen Schuhen, die er wegen einer Kriegsverwundung tragen muss.

Bewegt bis ins hohe Alter

Als vor drei Jahren Tai-Chi angeboten wurde, war er gleich dabei: „Es hat mich interessiert, weil die Chinesen das Tai-Chi vor langer Zeit entwickelt haben und es noch heute auf öffentlichen Plätzen geübt wird.“ Die konzentrierten Bewegungen tun ihm gut: „Durch die Dehnung und die tiefe Atmung bekomme ich mehr Luft und fühle mich besser durchblutet.“ Seit dem Schlaganfall nimmt Andreas Huber im Rollstuhl sitzend teil: „Bei manchen Übungen stütze ich den rechten Arm.“

Für die Seniorengruppe hat sich Tai-Chi-Anleiterin Claudia Reinbold etwas Spezielles einfallen lassen: „Wir machen nicht die ganze Bewegungsabfolge, sondern konzentrieren uns auf einzelne Vor- und Energieübungen. Sie haben die gleichen positiven Auswirkungen auf Muskeln, Bänder und Sehnen, sind hervorragend gegen Verspannungen und gut für das Gleichgewicht und die Atmung“, zählt die Ehrenamtliche einige der Vorzüge auf. „Außerdem lenkt die Konzentration auf die Bewegungen von den Sorgen ab. Da die Übungen nicht anstrengend sind, fühlen sich die Teilnehmer danach viel leichter und wohler.“

Leichter und lustiger fühlt sich auch Irene Logdeser, wenn sie am Montagmorgen vom Bowling zurückkommt. Die 84-Jährige kam nach dem Tod ihres Mannes und einem zweiten Schlaganfall vor fünf Jahren nach St. Josef. Ihr linker Fuß und Arm sind gelähmt, sodass die Schwabingerin auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Als ihre Zimmernachbarin anfragte, ob sie nicht Lust hätte, beim Bowling mitzumachen, dachte sie zunächst: „Das geht doch nicht mehr.“ Doch moderne Technologie machte es möglich: Beim sogenannten Wii-Bowling zielen die Mitspieler mit einer Fernbedienung auf eine virtuelle Bowling-Bahn auf einem großen Monitor. Nur leichte Handbewegungen sind nötig, um die Bowling-Kugel rollen zu lassen. „Dadurch wird die Koordinationsfähigkeit und auch das Gleichgewicht trainiert und vor allem macht es allen Spaß“, freut sich Irene Logdeser.

Richard Haberzettl, ein agiler Mitbewohner, hilft den zehn Bowlingfreunden bei der technischen Bedienung. Bei einigen ist nur die Grundeinstellung nötig, andere führt er bis zur geeigneten Wurfposition. „Wenn alle zehn Kegel getroffen sind, wird ‚Strike!’ gerufen, geklatscht und viel gelacht“, erzählt Irene Logdeser, die früher oft mit ihrem Ehemann zum Kegeln gegangen ist, begeistert. „Letzten Montag habe ich dreimal Strike gehabt! Am Ende habe ich nicht nur etwas für den Kreislauf gemacht, sondern auch für die gute Stimmung!“

 

GESUNDE BEWEGUNG

Warum Bewegung im Winter hilfreich ist, erklärt die Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation Dr. med. Monika Baumann.

Warum ist Bewegung und Sport für ältere Menschen so wichtig?

Bewegung dient bei vielen Erkrankungen zur Vorsorge oder als Heilmittel. Beispielsweise verringert sie das Risiko der Entstehung von Arteriosklerose (Verengung der Blutgefäße), einer Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gelenke werden durch den Aufbau von Muskeln geschützt. Depressive Stimmungen lassen sich verbessern und selbst Krebserkrankungen werden davon günstig beeinflusst. Man muss sich allerdings regelmäßig bewegen, damit es wirkt, am besten zwei- bis dreimal in der Woche.

Warum soll man auch im Winter dranbleiben?

Wer regelmäßig Ausdauersport betreibt, schützt sich effektiv und preisgünstig vor Erkältungen. Und wenn es einen doch erwischt, dann verlaufen sie oft milder. Dafür ist unser Immunsystem verantwortlich, das durch Bewegung stimuliert wird. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die Zahl der Immunzellen ansteigt und die Abwehr gegen Schnupfenviren und Bakterien besser funktioniert. Fast jede Bewegung ist geeignet – Hauptsache, sie geschieht regelmäßig.

Was eignet sich im Winter am besten für Senioren?

Es gibt viele Möglichkeiten: Von Gymnastik über Trendsportarten wie Qigong oder Yoga, bis hin zu modernen, technikbasierten Angeboten wie Wii-Spiele sowie Training an Geräten. Aber trotz der kalten Witterung sollte man auch täglich an die frische Luft gehen – und sei es nur zu einem kurzen Spaziergang. Das Tageslicht, das über die Haut aufgenommen wird, fördert die Produktion von Vitamin D und das ist wichtig für den Knochenstoffwechsel. Osteoporose-Gymnastik, Tai-Chi oder Feldenkrais sind ebenfalls gut. Doch nicht alles ist für jeden geeignet. Sollten bestimmte Bewegungen Schmerzen auslösen, dann entweder die Übung auslassen oder den Arzt um Rat fragen.

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