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MÜNCHENSTIFT-Onlinemagazin

Ein Gefühl von Freiheit

Im Haus an der Rümannstraße wurde der beschützende Bereich geöffnet, um die Lebensqualität und Selbstbestimmung der demenziell erkrankter BewohnerInnen zu erhöhen. 
Offener beschützender Bereich
Demenziell Erkrankte mit erhöhtem Bewegungsdrang können sich schnell verlaufen und sich und andere dabei gefährden. Für sie gibt es in der Regel beschützende Bereiche, die sie ohne fremde Hilfe nicht verlassen können. Die Unterbringung verfügt ein Richter, da es sich um eine freiheitsentziehende Maßnahme handelt.

Im Haus an der Rümannstraße wurde im Januar 2016 ein Modellversuch umgesetzt, der mehr Freiraum verspricht und trotzdem Sicherheit gewährleistet. Die bisher geschlossene Tür des beschützenden Bereichs wurde geöffnet. Für alle BewohnerInnen bringt das ein Gefühl der Offenheit. Menschen, die aufgrund eines richterlichen Unterbringungsbeschlusses im Wohnbereich leben, tragen einen Chip am Armgelenk, der die Tür schließt, sobald sie in die Nähe kommen. Bei allen anderen bleibt die Tür offen. Erste Erfahrungen zeigen, dass dies auch eine große Erleichterung für die Angehörigen, Betreuenden und ehrenamtliche Helfenden bedeutet. Sie können nun ungehindert ein- und ausgehen und mit Hilfe eines Transponders, der das Chipsignal neutralisiert, den Bereich auch mit Betroffenen verlassen.

„Betroffene können nun in der gewohnten Umgebung mit vertrauten Bezugspersonen wohnen bleiben, wenn der richterliche Unterbringungsbeschluss wegfällt", erläutert Susanne Krempl, Leiterin der Abteilung Qualität der MÜNCHENSTIFT einen weiteren Vorteil. „Bei der Erprobung ging es nicht nur um den technischen Aspekt. Auch für die Mitarbeitenden bedeutet das eine Umstellung, die wir mit Schulungen begleiten. Wenn wir genügend Erfahrungen in diesem Wohnbereich gesammelt haben, möchten wir den Versuch auf ein ganzes Haus ausweiten", ergänzt die Pflegeexpertin.

Gerda Denk (Angehörige)
„Ich besuche meinen Mann jeden Tag. Im offenen beschützenden Bereich kann man sich viel freier bewegen. Ich brauche mir nur einen Chip zu holen und kann jederzeit mit meinem Mann nach draußen und spazieren gehen."