Panorama

MÜNCHENSTIFT-Onlinemagazin

Raum für Anderes

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Die Malerin und MÜNCHEN­STIFT-Mitarbeiterin Christiane Zöbeley erregte mit der Aus­stellung „Anders schön" im Haus St. Maria Ramersdorf viel Aufsehen. Im Mittelpunkt ihres Schaffens stehen arche­typische Figuren, die elementare Fragen aufwerfen.

Wie kamen Sie zu Ihrem Hauptthema?
„Die Wucht der Freiheit" ent­stand vergangenes Jahr an mei­nem ersten Urlaubstag. Da ich bei meiner Arbeit wenig sitze, war das Thema Sitzen schon als Sehnsucht vorhanden. An der großen Staffelei zog ich zuerst die Konturen eines Körpers, der sich auf die Luft des nicht Vor­gegebenen setzt. Dann kleidete ich den Körper mit Erdfarben. Wichtig war mir vor allem, dass die Figur nicht ins Bild passt. Sie sprengt ihre Bildgrenzen und gewinnt damit ihre Freiheit. Mein erstes angeschnittenes Körper­bild malte ich im Jahr 2000, als ich noch in einem riesigen Atelier - es war fünf Meter hoch - arbeitete. Das war die Initialzündung: Der Körper sprengte das Bild und konnte sich in dem Riesenraum ausdehnen.

Warum hat der Körper bei Ihnen so viel Bedeutung?
Körperlichkeit ist in einer Welt wichtig, die immer digitaler wird. Wir leben nur durch unseren Körper. Auch für SeniorInnen ist das ein wichtiges Thema, denn selbst wenn wir sehr alt sind, bleibt der Körper das Zentrum, aus dem heraus wir agieren. Ich möchte damit ausdrücken: Ohne etwas zu leisten, einfach nur dadurch, dass ich da bin, darf ich Raum beanspruchen. Meine Bil­der sind ein Plädoyer für Vielfalt, daher der Titel der Ausstellung „Anders schön". Allerdings wird etwas anderes oft als Bedrohung empfunden. Auch mir geht es so, dass ich mich anfangs von etwas Neuem abgrenze und Zeit zur Gewöhnung brauche.
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Und Ihre kleinen Bilder?
Ich stamme aus einer Musikerfa­milie, entschied mich aber für die Malerei. So kommen in den kleinen Bildern viele Musik­themen vor. Einige Motive wur­den durch meine Arbeit als Vorstand des Jazzclubs „Unterfahrt" inspiriert. Meine großen Bilder, wie z. B. „Eros und Anteros" - ich bin sehr geprägt von den großen griechischen Dramen -, funktionieren anders. Es sind archetypische Figuren, die in ihrer Aussage abstrahiert und verdichtet sind. Die beiden verkörpern die Liebe und Gegen­liebe, die jeweils Raum für sich beanspruchen. Eros und Anteros können aber nur im Kontakt miteinander wachsen oder eben nicht, wie Kain und Abel in der christlichen Überlieferung. Des­halb begrüße ich die Öffnung der MÜNCHENSTIFT in Richtung
Vielfalt sehr. Bei diesem sehr komplexen Prozess spielt – wie bei Eros und Anteros - das Thema Balance und Kommuni­kation eine große Rolle.

Was brachte Sie zur MÜNCHENSTIFT?
Nach meiner Scheidung vor sechs Jahren suchte ich anstelle der freiberuflichen Tätigkeit eine berechenbare Arbeit. Seitdem bin ich im Wohnen mit Service im Hans-Sieber-Haus tätig, 2016 kam die Ehrenamtskoordination dazu. Ich gab mein Atelier auf und male nur noch in meiner Wohnung. Das fiel mir nicht schwer, denn ich habe in der Arbeit viele Möglichkeiten, krea­tiv zu sein. So organisiere ich die Ausstellungen der Galerie Frei­raum und bin an vielen Akti­vitäten im Haus beteiligt, die sich um die Lebensgeschichten der Menschen drehen.
Fotos: Barbara Donaubauer