Wohnen & Pflege

MÜNCHENSTIFT-Onlinemagazin

Vor Ort im Einsatz

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Es ist 6 Uhr in der Früh. Kaffee­duft zieht durch die Räume des Ambulanten Dienstes Süd im Haus St. Josef. Für Raoul Schwägerl und Vlasta Luksic beginnt der Frühdienst. Zusammen mit Kol­leginnen studieren sie die Einsatzplä­ne und das Übergabebuch, lesen Faxe von Ärzten mit Verordnungen und tauschen sich über wichtige Neuigkei­ten aus. Kurz darauf packen sie ihre Einsatztaschen und die neu geliefer­ten Medikamente, holen ihren Au­toschlüssel und brechen auf. Es ist Eile geboten, denn ihre Klientinnen warten darauf, mit ihrer Hilfe in den Tag zu starten. Fast 200 Münchnerin­nen betreut der Ambulante Dienst Süd derzeit. Etwa 80 leben zu Hause, sie werden mit dem Auto oder E-Bike be­sucht. Die anderen wohnen in Apparte­ments im Wohnen mit Service in MÜNCHENSTIFT-Häusern.
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Ein fordernder Arbeitsalltag
Raoul Schwägerl gehört seit 14 Jahren zum ambulanten Team der MÜNCHENSTIFT. „Früher hatten wir noch mehr medizinische Aufgaben. Doch seit der letzten Pflegereform hat sich der Schwerpunkt verschoben. Das Spektrum reicht von Begleitungen zum Arzt oder Frisör über Hilfen beim Anziehen, Duschen oder im Haushalt bis hin zum Verbandswechsel und der Kontrolle der Medikamente", erzählt der gelernte Krankenpfleger. Am meis­ten aber schätzen die Klientinnen seiner Erfahrung nach die Gespräche, die ihre Isolation durchbrechen: „Die älteren Generationen sind heute zwar anspruchsvoller und ichbezogener, aber auch geistig fitter. Man kann sich mit ihnen über vieles austauschen, was ihre Betreuung erleichtert."
Zwölf Klientinnen besucht Raoul Schwägerl durchschnittlich am Tag, manchmal sind es auch bis zu 20. Heu­te ist er bis mindestens 14 Uhr im Ein­satz, an Tagen mit Spätdienst oder Rufbereitschaft geht der Dienst bis 22 Uhr. Doch Unvorhergesehenes wie Stürze oder eine Krankenhauseinwei­sung kann den Dienst verlängern, be­schreibt der 53-Jährige seinen Arbeits­alltag: „Man muss flexibel sein – Theaterkarten braucht man sich für Tage mit Dienst erst gar nicht zu besorgen! Aber ich möchte nicht tau­schen, denn die Arbeit ist vielseitig und nie langweilig."
Der ständige telefonische Kontakt zur Zentrale ist dabei unumgänglich. Hier hat Eda Yalcin alles unter Kon­trolle. Die junge stellvertretende Lei­tung koordiniert 32 Vollzeitkräfte. Während ihrer Ausbildung zur Pflege­kraft vor fünf Jahren gefiel ihr die Tätigkeit im Ambulanten Dienst so gut, dass sie gleich geblieben ist. Ob­wohl sie neben der Gesamtkoordina­tion auch für Neuaufnahmen, Abrech­nungen und Kundenakquisition zu­ständig ist, fährt sie auch Touren und springt ein, wenn Not am Mann ist. „Ich liebe es einfach, unterwegs zu sein und selbständig zu arbeiten", erklärt die 25-Jährige lachend.
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Daseinsvorsorge
Der Ambulante Dienst der MÜNCHEN­STIFT versorgt auch immer wieder äl­tere Menschen, die nur geringfügige Hilfe brauchen, denn im Rahmen der Daseinsvorsorge ist sie für die Grund­versorgung aller Münchner Bürgerin­nen mit zuständig. Aber auch in ande­rer Hinsicht unterscheidet sich das Tochterunternehmen der Stadt Mün­chen von privaten Pflegediensten: „Wir stellen niemanden auf 450-Euro-Basis ein, Voraussetzung sind immer Sozial­versicherung und Führungszeugnis. Die Entlohnung orientiert sich dabei am öffentlichen Dienst. Unser Ziel ist es, einen festen Personalstamm zu ha­ben", meint Raoul Schwägerl. Für Qua­lität sorgen darüber hinaus die minde­stens fünf Fortbildungen im Jahr, an denen die Mitarbeitenden teilnehmen, und die monatlichen Qualitätszirkel zu aktuellen Themen aus dem Pflege­alltag. Raoul Schwägerl selbst über­nimmt als erfahrene Pflegefachkraft neben seinen Touren auch die Pflege­beratung vor Ort und ist als Hygiene- und Sicherheitsbeauftragter sowie Praxisanleiter für Auszubildende tätig: „Es macht Spaß, sich in die stän­digen Neuerungen und Änderungen einzuarbeiten und die Kolleginnen dann zu schulen."
 
Eine gute Ausbildung
Auch die Ausbildung von Pflegekräf­ten spielt bei der MÜNCHENSTIFT eine zentrale Rolle, ist sie doch der größte kommunale Ausbilder in Deutschland. Derzeit werden im Am­bulanten Dienst 14 junge Menschen zu Pflegekräften ausgebildet. Zu ihnen gehört Vlasta Luksic, die sich im drit­ten Ausbildungsjahr befindet. Die jun­ge Kroatin hat in ihrer Heimat ein Ju­rastudium abgebrochen und kam nach Deutschland, um hier eine Altenpflegeausbildung zu absolvieren. Anfangs verstand die 29-Jährige kaum Deutsch, doch sie begleitete die Kolleginnen auf deren Touren und lernte dabei schnell die Sprache. „Es ist ein sehr schöner Beruf, man hat mit Menschen zu tun", beschreibt sie ihre Motiva­tion. Doch es gibt auch Nachteile, meint sie, denn: „die verantwortungs­volle Arbeit, wird im Vergleich zu an­deren Tätigkeiten schlecht bezahlt."
Fotos: Maren Willkomm