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MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Lebenslieder

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Die MÜNCHENSTIFT arbeitet seit Jahren mit dem Christo­pherus Hospiz Verein e.V. München (CHV) zusammen, der Menschen in ihrer letzten Lebensphase unterstützt. Im Zentrum stehen dabei Lebens­qualität und Selbstbestimmung bis zuletzt. 2016 begleitete der Verein rund 1 400 Schwer­kranke im Stadtgebiet. Bei der MÜNCHENSTIFT sind der palliativ-geriatrische Dienst sowie ehrenamtliche HospizhelferInnen im Einsatz. Für ein Haus wurde eine eigene Hel­fergruppe aufgebaut. Der CHV hat das Projekt „Letzte Lieder" nach München geholt, an dem vom Verein begleitete Menschen teilnahmen. Über die Hinter­gründe des Projekts sprachen wir mit Initiator Stefan Weiller.
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Wie entstand die Idee für das Projekt?
Vor einigen Jahren sollte ich eine Reportage über ein Hospiz schreiben. Mein Bild vom Hospiz war damals stark von Klischees geprägt – ich befürchtete, dass es dort nur ums Sterben geht Als ich ankam, erlebte ich etwas Unerwartetes: Im Flur hörte ich den Schlager „Immer wieder sonntags". Ich musste lächeln, und anstatt über das Sterben sprachen wir über Musik. Seither besuchte ich über 140 Men­schen in Hospizen, und sie er­zählten mir über ihr Leben und ihre Musik. Daraus entstanden ein Buch und eine Veranstal­tungsreihe, da ich die Erfahrung teilen wollte, dass Menschen im Hospiz am Leben teilhaben, es genießen und gestalten können.
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Wie läuft denn so ein Gespräch ab?
Die Menschen, die mich einla­den, entscheiden über die Inhal­te des Gesprächs. Die einen genießen es, von sich erzählen zu können, andere sprechen über ihren Tod, ihre Angst, ihre Hoffnung, ihre Wut, ihre Trauer Ich frage sie nach bedeutsamen Liedern in ihrem Leben. Mit leuchtenden Augen erzählen sie mir davon, in dem Wissen, dass sie die Aufführung nicht erleben werden. Danach schrei­be ich in freier Nacherzählung ihre Geschichten. Die Münchner Erzählungen sind außergewöhn­lich, weil es nirgendwo anders eine so große Verbundenheit zu einer Stadt gab. Marianne Säge­brecht, die unter anderem die Texte bei der Aufführung im Oktober lesen wird, bringt hier­für genau die richtige Klang­farbe ein.
 
Wie gestalten sich die Konzerte?
Das Publikum begegnet an einem Konzertabend 24 Men­schen und ihren Liedern, von Schlager über Pop bis Klassik und Stille. Jeweils ein Teil der Lebensgeschichten wechselt von Stadt zu Stadt, in der Lukaskir­che sind die Lieder von acht MünchnerInnen dabei. Fast 80 Akteure wirken an der Auf­führung mit Live-Konzert, Theater, Lesung, Tanz und Video­-Installation mit, darunter Mari­anne Sägebrecht und Christoph Maria Herbst. Der Eintritt ist frei, stattdessen kann man für die Arbeit des Christophorus Hospiz Vereins spenden. Doch die „Letzten Lieder" sind für mich mehr als ein Benefizpro­jekt. Es ist ein Gesamtkunstwerk in dem vom nahen Tod erzählt wird, aber vor allem vom Leben.

Konzerttermin

Konzert „Letzte Lieder" am 7.10.17 um 19.30 Uhr in St. Lukas. Eintritt frei, mit der Bitte um Spenden, die die Arbeit des Hospizvereins unterstützen. 
Weitere Infos: 
Fotos: Ralf Kopp_Marc Bartolo, Lena Obst, Frank Röth