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MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Ein sympathisches Vorbild

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Marianne Koch, die im Sommer 86 Jahre alt wurde, ist seit 17 Jahren medizinische Expertin im „Gesundheitsgespräch" des Bayerischen Rundfunks. In die­ser Zeit beantwortete sie viele Fragen von Hörerinnen und war für viele ein Vorbild. Wir befragten sie zu Änderungen im Gesundheitsbewusstsein und zur Gesundheitsvorsorge.
Hat der gesellschaftliche Wandel das Gesundheitsbewusstsein beeinflusst?
Ganz sicher Gerade die älteren Anruferinnen sind gesünder geworden, wohl nicht nur wegen der Sendung, sondern weil das Wissen um Risikofaktoren und die entsprechenden Verhaltens­änderungen zu einem aktiveren Leben und zur konsequenteren Behandlung von beispielsweise Hochdruck und Diabetes geführt haben. Auch die Fragen der Hörerinnen zeugen von mehr Wissen um Krankheiten.
 
Der Untertitel Ihres Buchs zum Thema Vorsorge heißt „Wie Sie Körper und Seele gesund erhalten". Warum?
Weil die psychische Verfassung einen ganz großen Einfluss auf den Körper ausübt. Dauerstress, Depressionen, Ängste beein­flussen die allgemeine Gesund­heit stärker, als wir dies früher dachten.
 
Was würden Sie älteren Menschen bei der Vorsorge besonders raten?
Versuchen Sie, beweglich zu bleiben, körperlich und geistig! Zum einen sind starke Muskeln und stabile Knochen ein wesent­licher Schutz vor Gebrechlich­keit, zum anderen muss sich das Gehirn, um leistungsfähig zu blei­ben, ständig mit neuem Dingen auseinandersetzen. Also: Spaß am Lernen erhalten und viele soziale Kontakte pflegen! Ganz wichtig sind auch die Vorsorge­untersuchungen, zum Beispiel die Darmspiegelung, durch die man Darmkrebs nicht nur früh erkennen, sondern in vielen Fällen sogar verhindern kann.
 
Sie sind sehr engagiert und aktiv. Wie sorgen Sie für Ihre eigene Gesundheit?
Ich halte mich an die Empfehlun­gen, die ich meinen Patientinnen gebe. Das heißt, ich gehe täglich mit meinem Hund eine Stunde spazieren, koche gern selbst, meist mediterrane Kost – und freue mich darüber, dass ich ständig lernen muss, um auch für die Sendung auf dem neuesten Stand der Medizin zu bleiben.
 
Wie sehen Sie in Deutschland in der Zukunft die medizinische Versorgung?
Derzeit haben wir noch so ungefähr das beste Gesundheits­system der Welt. Wir müssen aber sehr darauf achten, dass der intensive persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patientinnen und die sprechende Medizin auch in Zukunft den Vorrang vor kommerziellen Erwägungen behält. Schließlich ist dieser Kon­takt unendlich wichtig für die Selbstheilungskräfte der Patien­tinnen. Ob uns Telemedizin und andere technische Neuerungen etwas Positives bringen werden, wird sich erst im Lauf der nächsten Jahre erweisen.
Foto: Isolde Ohlbaum