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MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Weg ins Berufsleben

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Die ersten AbsolventInnen der Integrationsklasse für Flüchtlin­ge der MÜNCHENSTIFT haben ihre Ausbildung zum/zur Pfle­gefachhelferIn abgeschlossen. Zu ihnen gehört Alpha Bah aus Sierra Leone.

Alpha Bah kam vor sechs Jahren als unbegleiteter Jugend­licher mit seinem Bruder nach Deutschland. Kaum vorstellbar, wenn man den heute 22-Jähri­gen flink durch den Wohnbe­reich 6 im Haus an der Tauernstraße laufen sieht und bemerkt, wie einfühlsam er auf die BewohnerInnen eingeht. In sei­ner Heimat hatte er bereits erste Berufserfahrungen mit der Kamera gesammelt. Nach der Flucht hier angekommen, begann er Deutsch zu lernen und holte seinen Hauptschulab­schluss nach. Danach absolvier­te er Praktika in verschiedenen Bereichen: An der Hochschule für Fernsehen und Film, bei Ra­dio Lora, bei einem Kindergar­ten und in der Altenpflege. Die Arbeit mit SeniorInnen gefiel ihm am besten und so hängte er ein weiteres Prakti­kum im Haus an der Tauernstraße an. Dort half er dem Hausmeister und in der Cafete­ria und absolvierte ein Freiwil­liges Soziales Jahr im Wohnbereich. Als er die einjährige Aus­bildung zum Pflegefachhelfer begann, war ihm klar, dass er eine gute fachliche Grundlage braucht: „Die Pflege ist kein einfacher Beruf, man muss viel wissen und braucht Offenheit und Geduld."

Viel Geduld und Durchhalte­vermögen mussten alle in der Integrationsklasse aufbringen. „Gerade am Anfang gab es Schwierigkeiten, denn die meisten waren noch nie berufstätig, vor allem nicht in Deutschland, und ihnen fehlten Grundlagen", beschreibt Ausbildungskoor­dinator Christian Wiedemann die Herausforderungen für die 18 Auszubildenden. Sie mussten sich nicht nur fachliche Kompe­tenzen aneignen, sondern auch die Sprache und Selbstkompe­tenzen für das Berufsleben, wie etwa die Fähigkeit, sich aktiv einzubringen oder Termine ein­zuhalten. Zusätzlich galt es für viele, Computerkenntnisse nachzuholen.

Fast alles war neu und an­strengend, neben den Berufsschul- und Praxiszeiten lernten sie auch an den Wochenenden. Doch die Mühe lohnte sich: „Von den 18 AbsolventInnen wollen nur sieben einen ande­ren Berufsweg einschlagen", freut sich Ausbildungskoordina­tor Christian Wiedemann. „Alle anderen werden weiter bei uns arbeiten, und sieben sogar mit der dreijährigen Ausbildung zum/zur AltenpflegerIn durch­starten." Auch Alpha Bah: „Um noch mehr zu lernen, werde ich Altenpfleger", erklärt der Pflegefachhelfer leise, aber entschieden.

Damit er sich das teure München leisten kann, wohnt er in einem der Personalzim­mer im Haus. In der Freizeit trifft er sich gerne zum Fußball mit Freunden. „Ich habe auch schon im Verein gespielt, doch jetzt fehlt mir die Zeit zum regelmäßigen Training. Vielleicht klappt es nach der Ausbildung wieder", überlegt er. Er mag die Arbeit im Haus an der Tauernstraße, auch weil es dort Menschen aus vielen Kulturen und Religionen gibt. „Da braucht man schon Geduld, bis es funktioniert. Doch zum Glück ist das Team sehr hilfs­bereit!"
Fotos: Barbara Donaubauer