Wohnen & Pflege

MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Ambulante Unterstützung – gut versorgt

Selbständiges Wohnen, Ambulanter Dienst, Menüservice, Tagesbetreuung oder Kurz-und Langzeitpflege - die unter­schiedlichen Angebote der MÜNCHENSTIFT decken per­sönlich unterschiedliche Bedürfnisse ab. In jedem Fall helfen sie dabei, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alter zu erhalten.
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Es ist noch früh am Morgen, wenn Nada Gruber zu Hedwig Schröder kommt und ihr beim Waschen und Anziehen hilft. Meist geraten die beiden dabei ins Plaudern, bis das Frühstück vom Menüservice geliefert wird. Auch das Mittag- und Abendessen ist schon dabei. Die erfahrene Pflegefachkraft oder eine ihrer Kolleginnen vom Ambulanten Dienst vor Ort richten die zwei Mahlzeiten später zu den Essens­zeiten her. „Manchmal kochen wir et­was, das fällt unter die von der Kasse übernommenen Betreuungsleistun­gen", ergänzt die Pflegefachkraft. „Ich liebe unsere Gemüseeintöpfe sehr", schwärmt Hedwig Schröder und lobt Nada Gruber schmunzelnd: „Sie sind mein bestes Stück!" Als ihr Mann vor zehn Jahren starb, zog die 97-Jährige in das zentral gele­gene Mathildenstift, das dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Dort hat sie eine der kleinen Wohnungen für das Selbständige Wohnen gemie­tet, da ihr die zentrale Lage gefiel. Früher unternahm sie noch viel und war oft unterwegs. Doch seit sie vor einem Jahr einen Schlaganfall erlitt, benötigt sie im Alltag die Unterstüt­zung des Ambulanten Dienstes. Hedwig Schröder ist froh, dass sie dadurch in der Wohnung bleiben kann. „Es ist beruhigend, dass immer wieder jemand vorbeikommt. Und wenn etwas ist, kann ich jederzeit den Notrufknopf drücken, auch nachts", erklärt sie.
 
Einmal in der Woche kommt ihr Sohn mit Einkäufen vorbei. „Am Anfang wollte ich eine größere Wohnung", erinnert sich die 97-Jährige. „Heute bin ich froh über die überschaubare Zwei-Zimmer-Wohnung." Sie liest auch leidenschaftlich gerne. Täglich kommt die Süddeutsche Zeitung, und sie nutzt das Angebot der Stadt, sich Bücher der Stadtbibliothek nach Hause liefern zu lassen.
Wenn das Wetter gut ist, setzt sie sich in den Garten des Hauses. Seit dem Schlaganfall gelangt sie dorthin mithilfe eines Rollators: „Bis ich wieder besser laufen kann, braucht es Geduld. Zweimal in der Woche kommt jemand zur Physiotherapie, ich übe aber auch selbst viel." Am Abend schaut dann jemand von der Abend-schicht herein und hilft ihr, sich für die Nacht fertigzumachen.
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Hilfe nach Bedarf 
In einigen MÜNCHENSTIFT-Häusern, wie im Mathildenstift, kann man selbständig wohnen - und nur bei Be­darf ganz oder vorübergehend am­bulante Betreuung und Pflege in An­spruch nehmen. Das Mathildenstift wurde vor 20 Jahren eröffnet, sechs der derzeit 100 BewohnerInnen zogen be­reits damals ein. Die Unterstützung des Ambulanten Dienstes, der hier mit fünf Mitarbeitenden einen Stützpunkt un­terhält, nutzen etwa 30 der Hausbe­wohnerInnen. Neben Nada Gruber, die vor 15 Jahren ihre Ausbildung im Haus St. Maria Ramersdorf begann, gehört Mirica Perko zu dem ambulanten Team. Sie ist bereits seit 17 Jahren als Altenpflegehelferin tätig und verstärkt die Morgenschicht. Zwei weitere KollegIn­nen decken den Spätdienst ab und einer die Rufbereitschaft in der Nacht. Das Spektrum der Leistungen ist breit: me­dizinische Versorgung wie Anlegen von Wundverbänden und Hilfe bei der Körperpflege gehören genauso dazu wie hauswirtschaftliche Dienste, Bera­tung beim Umgang mit Behörden, Un­terstützung bei der Beschaffung von Pflegehilfsmitteln oder Begleitung bei Arztbesuchen.
 
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Selbstständig Leben
Elfriede Hinz zog in eine Mathildenstift-Wohnung, als ihr Mann vor über zehn Jahren starb. Mirica Perko betreut sie seit vier Jahren. Sie unterstützt sie beim Baden, denn der 90-Jährigen wird leicht schwindelig. Sie hilft ihr auch beim An- und Ausziehen der Stützstrümpfe und stellt die Medikamente bereit. Manchmal kocht Elfriede Hinz sich eine Kleinigkeit oder wärmt sich etwas Tiefgefrorenes auf, das ihr Sohn daheim gekocht hat. Zweimal in der Woche liefert der Menüservice das Mittagessen.
 
Von Anfang an nahm sie gerne an den Aktivitäten im Haus teil. „Anfangs ging ich zu einem Gymnastikkurs", erinnert sich die gesellige Oberpfälzerin. Über die Jahre sind viele Freundschaften und Bekanntschaften entstanden. Zum Kartenspielen oder dem gemütlichen Kaffeeplausch brachte sie früher immer selbstgebackenen Kuchen mit. Damit kennt sie sich schließlich aus, eröffnete sie doch mit ihrem Mann nach dem Krieg die erste Keksfabrik in München.
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Angenehme Gesellschaft
Auch Magdalene Dorn genießt die Unabhängigkeit in den eigenen vier Wänden, die Kontaktmöglichkeiten im Haus und die Gewissheit, dass Hilfe da ist, wenn sie sie braucht. Sie fand nach vielen Schicksalsschlägen und Lebensstationen nach München und in das Mathildenstift. Aufgewachsen im Banat, gelang ihr später nach zwei Jahren aus einem Konzentrationslager die Flucht. 1953 wanderte sie nach Venezuela aus, wo sie sich verpflichtete, 20 Jahre lang in der Landwirtschaft zu arbeiten. Als sie 1970 nach Deutschland zurückkehrte, wo sie als Übersetzerin für Spanisch eine Anstellung fand, blieb ihr Sohn in Venezuela.

„Jetzt lebe ich schon seit zehn Jahren im Mathildenstift. Ich bin zufrieden, ganz besonders mit den Mädels, die mich betreuen", freut sie sich. Neben dem Ambulanten Dienst hat die 90-Jährige eine Reinigungskraft zur Bewältigung des Alltags und lässt sich inzwischen vom Menüservice die Mahlzeiten liefern. Mit dem Stock oder Rollator, unterstützt von einer Pflegekraft, geht es dann in den Gesellschaftsraum, wo zwei Hausbewohnerlnnen regelmäßig Treffen mit Kaffee und Kuchen organisieren und auch Feste: „Ich liebe Gesellschaft, deshalb gehe ich dort gerne hin", meint sie gut gelaunt.

Sie ist sehr froh über die Kontakte, die sie im Haus findet, denn für ihre Familie ist es sehr schwierig, sie zu besuchen: „Früher kam mein Sohn mit Kindern und Enkeln oft nach Deutschland. Das geht derzeit nicht wegen der politischen Lage, er darf nicht ausreisen", bedauert sie. Eine Nichte, die sie betreut, kommt ab und zu. Aber ihre Schwester und eine Kusine, die auch in Bayern leben, schaffen es nur noch selten nach München. Doch einsam fühlt sie sich nicht: „Hier habe ich Gesellschaft und werde gut versorgt, das ist wunderschön!", sagt sie lächelnd.
Fotos: Daniel Simon