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MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Eine sinnstiftende Aufgabe

Regina Ernst ist seit fast 20 Jahren bei der MÜNCHENSTIFT als Ehrenamtliche tätig. Sie besucht einzelne Demenzerkrankte. Dabei inspiriert sie ihre Freude am Singen.
Interview Regina Ernst
Wie kamen Sie zum Ehrenamt?
Ich musste vor vielen Jahren an der Schilddrü­se operiert werden und hatte entsetzliche Angst vor der Operation. Ich legte ein Ver­sprechen ab, etwas für die Allgemeinheit zu tun, wenn alles gut geht. Ich fragte den Religionslehrer meiner Tochter, und er schlug mir eine Aufgabe mit Kindern vor da ich Lehrerin war. Als ich erwiderte, dass ich etwas ganz anderes tun wollte, da empfahl er mir im Spaß, es doch mit Senioren zu versuchen. Damit war die Idee geboren! Ich war damals mit dem Singkreis der Gemeinde im Alfons-­Hoffmann-Haus. Als zwei Damen einen Besuchsdienst gründeten, schloss ich mich ihnen an. Früher besuchte ich auch mit Schulklassen Wohnbereiche oder wir sangen für die BewohnerInnen im damaligen Theatersaal. Heute, im Ruhestand, ist das Ehrenamt eine positive Routine. Ich gehe auch einmal wöchentlich in eine Schule und betreue Flüchtlingskinder.
 
Was machen Sie konkret?
Ich besuche seit 1997 regelmäßig einzelne BewohnerInnen. Mit meinem ersten Schütz­ling konnte ich mich viel unterhalten, da er nicht an Demenz erkrankt war. In den letzten sieben Jahren besuche ich einen an Demenz erkrankten Herrn. Anfangs habe ich Herrn L. aus seinen Lieblingsbüchern vorgelesen. Seit die Demenz fortgeschritten ist, singe ich viel mit ihm. Er war passionierter Jäger und mag Jagdlieder aber auch Schlager wie „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein", sein Lieblings­lied. Im Umgang mit ihm hilft die detaillierte Biografie mit seinen ganzen Vorlieben und Familienbeziehungen, die sein Sohn erstellt hat. So bete ich mit ihm, wenn es ihm einmal nicht gut geht, da er regelmäßiger Kirchgänger war Manchmal halte ich auch nur seine Hand oder summe etwas. Das gefällt ihm sehr er zeigt es mit Brummen. Ich gebe ihm auch Essen, dabei sitzen wir oft eine Dreiviertelstunde, bis der Brei Löffel für Löffel in aller Ruhe verzehrt ist. Das ist eine schöne gemein­same Zeit, und die Pflegekräfte werden etwas entlastet.
 
Was benötigt man für diese Tätigkeit?
Man muss aufmerksam sein und wahrnehmen, wie es dem Gegenüber geht und was er oder sie braucht. Wichtig ist aber auch zu wissen, wie man sich in schwierigen Situationen ver­hält. Das lernen alle Ehrenamtlichen in Fort­bildungen. Außerdem ist die Ehrenamtskoordinatorin des Hauses immer ansprechbar, wenn man Fragen hat.
 
Welches sind Ihre schönsten Erlebnisse?
Als es Herrn L. noch besser ging, haben wir einmal laut zusammen mit der ganzen Wohn­gruppe „Ich tanze mit dir in den Himmel hin­ein" gesungen. Danach sagte er: „Jetzt müssen wir es aber langsam meiner Frau sagen." Es sind aber eher die vielen kleinen Momente, in denen mir das Herz aufgeht. Es ging mir noch nie schlechter, wenn ich das Haus verlassen habe. Es tut einfach gut.

Ehrenamt

Nähere Informationen zur ehrenamtlichen Mitarbeit bei der MÜNCHENSTIFT finden Sie
Fotos: Daniel Simon