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MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Su Turhan im Porträt

Tatmotiv Anti-Aging
Su Turhan kam mit zwei Jahren als sogenanntes Gastarbeiterkind nach Deutschland. Seit zwei Jahrzehnten lebt der Autor in Giesing, dem Schauplatz und Ausgangspunkt seiner Recherchen und Romane. Wie sein bekannter Kommissar Pascha nimmt auch er in seinem neuesten Krimi die Stadt- und Gesellschaftsentwicklung ins Visier.
Su Turhan
Um was geht es in „Die Siedlung"?
Der Thriller spielt in einer Smartcity westlich von Augsburg, in der Dinge und Menschen digital vernetzt, die Menschen zentral erfasst und kontrolliert werden. Startups und Wissenschaftler widmen sich der Verlängerung des Lebens. Die Liebe des alternden Gründers zu einer jungen Frau, die in der geschlossenen Anlage ein Verbrechen aufklären soll, bringt die Abgründe ans Licht und die mörderische Handlung in Bewegung. Die Geschichte ist aber keine Science-Fiction, sondern eine Horror-und Liebesgeschichte, basierend auf realen Entwicklungen, die ich recherchiert und etwas weitergedreht habe.
Was treibt den Protagonisten Adam Heise an?
Der 66-jährige ehemalige Biochemiker erfüllt sich mit der Hightech-Siedlung den Traum, das Leben zu verlängern. Er ist eine spannende Figur mit viel Erfahrung und Charisma. Er will aber nicht altern und hat seinen Lebensstil optimiert, beispielsweise mit einem Bewegungsprogramm, einem Kühltank und einer Hautdusche, die die Altersspuren beseitigen sollen. Diese Dinge gibt es heute schon. Für seinen Traum ist er aber auch bereit, sich über Gesetz und Moral zu stellen. Für die geheimen Forschungsarbeiten zur Lebensverlängerung geht er kriminelle Wege.
Welche sind die realen Vorbilder für diesen Anti-Aging-Roman?
Zu den Vorbildern für den Protagonisten gehören Internetmillionäre wie Bezos oder Gates, die Millionen in Stiftungen gegen Krebs, Alter und Tod stecken. In den USA gilt Alter als Krankheit, deshalb werden Gelder darin investiert, das Alter zu erforschen und auszumerzen. In Südamerika wird bereits daran geforscht, wie mit Blutplasma auf den Altersprozess eingewirkt werden kann. Auch geschlossene, überwachte Siedlungen gibt es bereits, z.B. in Istanbul und Südamerika. Und während ich am Buch schrieb, kam eine Meldung, dass Google in Berlin ein umzäuntes Viertel errichtet. Man muss nur die sozialen Entwicklungen und den Wohnungs- und Baumarkt beobachten. Auch hier in München wird mit dem Neubau von teuren Luxuswohnungen Menschen mit Geld ein sorgenfreies abgeschirmtes Leben versprochen.
Welcher ist Ihr persönlicher Bezug zum Alter?
Meine Eltern, die Ende der 1960er Jahre aus Istanbul nach Deutschland kamen, haben sich dort ein Grab gekauft und eine Sterbeversicherung abgeschlossen, damit wir Kinder uns nicht darum kümmern müssen. Alte Menschen bleiben dort in der Familie und Gläubige meinen, mit dem Tod zu Allah zu kommen. Zunehmend verändern sich aber Altern und Tod. Wohin die Entwicklung geht, wissen wir nicht. Meine Großeltern habe ich wenig gekannt, mein Vater war früh Waise und die Großeltern mütterlicherseits habe ich nur während der Sommerferien in Istanbul gesehen. Ich habe sie aber in einem Buch als Baba und Dede verewigt.

Buch-Tipp

Su Turhan: Die Siedlung. Piper Verlag, 15 Euro
ET: Juni 2019
Foto: Regina Recht