Search Icon
Flag Icon
IMG_6127_1280_510

Panorama

MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Von Menschen und Tieren

Der Künstler Marc Avrel war mit großformatigen, collagierten Tiermotiven zu Gast in einer Ausstellung im Haus St. Martin. Ein Gespräch mit dem Münch­ner über seine Kunst.
Menschen & Tiere
Wie kamen Sie auf die Motive der Ausstellung?
In der Collageserie geht es um Jagen und Gejagtwerden und um die menschliche Evolution. Ich fragte mich, welche Stellung wir in der Entwicklungsgeschichte innehaben. Es gab eine Zeit in der sich andere Lebewe­sen von uns ernährten, heute ist es anders herum. Die Ausstellung beginnt vor 20.000 Jahren mit einer Raubkatze, die Menschen gefressen hat, und kehrt darin die Beziehungen von Mensch und Tier humorvoll um. Die eingearbeiteten Abbildungen erzählen schö­ne und grausame Geschich­ten, die bis zur Unkenntlich­keit verändert sind. Wie in der heutigen Informationsflut – auch hier ziehen grausame Themen an uns vorbei und wir nehmen sie kaum wahr.

Was hat es mit Ihrem Name Marc Avrel auf sich?
Mein Vater kam auf die Idee mich nach dem römischen Kaiser und Philosophen zu benennen. Ich signierte Bilder der Ausstellung aber auch mit Julius Cäsar und den Namen anderer römi­scher Persönlichkeiten. Der Titel der Ausstellung „Romani Fame" ist lateinisch und bedeutet „Römischer Hunger". Wissensdurstig suche ich im heutigen Turbokapitalis­mus nach unseren Wurzeln. Den Untertitel „Play it again, Sam!" wählte ich, da die Bilder bereits anderswo ausgestellt wurden. Es ist zugleich ein klassisches Zitat der Filmgeschichte. Viele hier im Haus werden es kennen – im Gegensatz zu meinen Studen­tInnen, die noch nie vom Film „Casablanca" gehört haben. Je älter ich werde, desto leichter kann ich mich mit Menschen unterhalten, die vor dem Jahr 2000 geboren wurden – besser als mit jüngeren, denn wir kommen aus einer Zeit ohne Smartphone.

Sie sind in verschiedenen Kunstsparten zu Hause und werden mit der Kunst des „Crossovers" verbunden ...
Ja. Ich bin als Musiker der Combo „Cloneheadz" unterwegs und als Mitglied von Künstlergruppen wie „Münchner Euphorie" oder „lieber gar kein herz als ein herz aus paprika". Bei lnstagram versuche ich an die Grenzen des Internets zu kommen und es durch Überlastung ad absurdum zu führen. Ich stelle in Off-Räumen aus, das kann ein leerstehendes Haus sein oder die Cafeteria der MÜNCHENSTIFT. Beim Aus­stellungsaufbau hier gab es viele Reaktionen auf meine Bilder – von Freude bis Kopfschütteln. Es machte Spaß, sich auch mit einigen Grantlern oder demenziell Erkrankten zu unterhalten, ich hatte schon immer viel Kontakt mit Älteren. Ich wuchs bei meinem Opa auf und half ihn zu pflegen. Der größte Teil unserer Familie, in der alle Religionen vertreten sind, lebt in Tunesien. Ich selber wuchs in München auf. Wer nicht mit Wider­spruch umgehen kann, kann auch nicht tolerant sein. Ich vereine in mir viele Gegensätze, schon dadurch, dass ich Marc Avrel heiße und meine Familie in Kar­thago lebt, das von Rom er­obert wurde. Ich habe keine Angst vor Widersprüchen und spiele in meiner künstle­rischen Arbeit gerne damit. Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Leben und Kunst, das ganze Leben ist Kunst.
Foto: Barbara Donaubauer