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Menschen

MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Bewegt Euch!

Gunda Krauss_450_300
Als sie ihr geliebtes Dreirad entdeckte, konnte sich Gunda Krauss nach zwei Hüft-OPs kaum noch bewegen. In ihrem Buch erzählt sie von ihrer Radtour von München nach Rügen und motiviert ältere Menschen, in Schwung zu bleiben.
Wie war Ihre Lebenssituation, als Sie in Rente gingen? 
Es war nicht einfach, sich nach dem Berufsleben neu zu orientieren. Außerdem ging es mir nach den Operationen nicht gut. Doch dann entdeckte ich den Easy Rider, ein Dreirad mit einem bequemen Sesselsitz und einem hochgezogenen Lenker. Ängstlich erkundete ich damit anfangs nur die nähere Umgebung. Nach dem Einbau eines Elektromotors entstand die Idee, zu meiner Nichte nach Greifswald zu radeln. Geworden ist daraus eine fünfzigtägige, abenteuerliche Dreiradtour quer durch die Republik.

Wie hat diese Fahrt Ihr Leben verändert?
Das Gefühl mobil und frei zu sein, weckte meine Lebensfreude. Unterwegs ließen jeder zurückgelegte Kilometer und jede gemeisterte Herausforderung mein Selbstvertrauen wachsen. Ich betrachtete die Welt mit kindlicher Neugier. Nachdem ich voller Tatendrang nach München zurückgekehrt war, startete ich nochmals richtig durch.

Wie ging es nach der Tour weiter?
Ich erzählte von meiner Fahrt, z. B. bei „Radeln in allen Lebenslagen". Die Vortragsreihe will ältere Menschen ermutigen, (wieder) aufs Rad zu steigen. Ein Mitarbeiter der Verkehrspolizei und eine Gesundheitsexpertin geben Tipps zum gesunden und sicheren Radfahren. Ich berichte von meinen Erfahrungen mit dem Easy Rider und es können verschiedene Zwei- und Dreiräder getestet werden. Oft wird gefragt, warum ich ein Dreirad fahre. Das ist einfach: Ich fühle mich damit im Straßenverkehr absolut sicher und komme überall hin! Auch wirkt das Dreiradfahren besser als jedes Antidepressivum: Der Fahrtwind bläst meine Niedergeschlagenheit weg.

Wo engagieren Sie sich noch?
Für die Demokratie und Europa. Diese Themen begleiten mich, seit ich Anfang der 1990er Jahre Hildegard Hamm-Brücher kennenlernte. Damals war ich in ihrer Initiative für eine lebendige Demokratie und Bürgergesellschaft aktiv. Sie hat mich sehr gefördert und ist mein großes Vorbild! Später ging ich in die Kommunalpolitik und gründete den Selbsthilfeverein „Wohnen im Alter im Cosimapark" mit. Besonders viel Freude bereiten mir die Besuche in Schulen, wo ich über das Leben in meiner Kindheit erzähle.

Was haben Sie noch alles vor? 

Mit meinen 79 Jahren ziehe ich in einigen Monaten in ein genossenschaftliches Wohnprojekt. Dort, so hoffe ich, werde ich bis zu meinem Lebensende bleiben. Mit der Unterstützung ambulanter Dienste, falls ich pflegebedürftig werde. Außerdem schreibe ich gerade ein Buch über mein Leben und die Tour, finanziert mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne. Ich möchte Jung und Alt ermutigen: Bewegt euch und erlebt euer ganz persönliches Abenteuer. Lasst euch nicht unterkriegen, auch wenn euch das Leben einen Nasenstüber versetzt!

Information

Das Buch erscheint im Herbst 2018.
Infos unter Tel. (089) 933530 oder 
Foto: Greencity/Tobias Hase