Panorama

MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Künstler helfen Künstlern

Vernissage, Haus Heilig Geist, Frau Freitag
Andere Unternehmen hängen sich große Kunst zur Repräsen­tation an die Wände. Bei der MÜNCHENSTIFT spielt die Kunst im Alltag der BewohnerInnen eine wichti­ge Rolle. Redakteurin Monica Fauss führte dazu ein Gespräch mit der Künstlerin Roswitha Freitag, die seit dem Jahr 1999 das Kunstprogramm der MÜNCHENSTIFT betreut.

Warum braucht es eigentlich ein eigenes Kunstprogramm der MÜNCHENSTIFT?
Viele BewohnerInnen können aus Mo­bilitätsgründen keine Ausstellungen mehr besuchen. Deshalb kommt die Kunst zu ihnen in die Häuser. Wir zeigen dort in den Ausstellungen neben ihren eigenen Werken, die in Malgruppen entstehen, auch Bilder von angesehe­nen Künstlerinnen und Künstlern aus München. Durch die Gegenwartskunst mit ihren immer wieder provokanten Inhalten und Darstellungsformen kommt frischer Wind in die Häu­ser! Die Gemälde inspirie­ren nicht nur die malenden BewohnerInnen, sie bieten allen Denkanstöße und Gesprächs­stoff. Die Werke beispielsweise der Künstlerinnen Liane Riss und Katharina Wild haben lebhafte, manchmal sogar kontroverse Diskussionen ausgelöst.

Wie kamen Sie zum Kunstprogramm?
Ich studierte Malerei und Bildhauerei, widmete mich dann der Konzeptkunst und hatte viele Ausstellungen im In- und Ausland. Im Jahr 1998 begann ich mit einer Gruppe und fünf Stunden Malen pro Monat im Haus St. Martin. Aufgrund der riesigen Resonanz wur­den es rasch immer mehr Häuser. Im Jahr 2005 konnte ich das Kunstforum im Haus St. Josef gründen und danach weitere Kunstforen in anderen Häu­sern. Dort wird jetzt regelmäßig ausge­stellt. Neben den Malgruppen für die BewohnerInnen konzipiere und plane ich alle diese Ausstellungen.

Wie laufen die Malgruppen ab?
Inzwischen sind es sechs Häuser, in denen ich interessierte BewohnerIn­nen zwei Tage im Monat beim Malen anleite. Meistens kommen zwischen fünfzehn und zwanzig TeilnehmerInnen. Sie können die zwei Tage nach ihren Bedürfnissen nutzen und ent­scheiden selbst, wie lange und zu welchen Zeiten sie dabei sind. Ein- bis zweimal im Jahr werden ihre Arbeiten in den Häusern ausgestellt und zu Weihnachten können sie an der Aus­stellung „Kreativität kennt kein Alter" im Rathaus teilnehmen. Ab und zu gibt es auch Sonderprojekte, wie bei­spielsweise das Projekt „Die letzte Wohnung" im Jahr 2013, bei dem Be­wohnerInnen einen Sarg und eine Urne bemalten, oder die Ausstellung „4975 Jahre stellen aus" im Jazzclub Unterfahrt im Jahr 2015.

Wie werden diese Aktivitäten finanziert?
Spenden und Stiftungen spielen hier­bei eine große Rolle. Auch die Künstlerinnen Liane Riss und Katharina Wild, deren Arbeiten seit etwa sechs Jahren in Ausstellungen der Häuser zu sehen sind, unterstützen uns – ganz nach dem Motto: Künstler hel­fen Künstlern. So hat Liane Riss den Erlös für den Verkauf ihres Gemäl­des „Turchese", das seit Ende 2015 im Haus an der Effnerstraße hängt, unseren Malgruppen gespendet. Und drei der Monumentalwerke von Katharina Wild befinden sich als Dauerleihgaben im Haus St. Jo­sef: Zwei hängen im Theatersaal, das andere im großen Veranstal­tungssaal. Die BewohnerInnen lie­ben diese Bilder!