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Wohnen & Pflege

MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Der richtige Augenblick

Das „Wohnen mit Service" in vier MÜNCHENSTIFT-Häusern bietet barrierefreien Wohnraum für Menschen, die noch selbständig sind, sich aber etwas Unterstützung und Sicherheit wünschen. Doch die Entscheidung umzuziehen, fällt nicht immer leicht.
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Margot Schott schaut aus dem Fenster ihrer Woh­nung mit Blick auf das Stadtpanorama und den Olympiaturm. „Als wir eingezogen sind, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es uns hier einmal so gut gehen wird", überlegt die 83-Jährige. Noch bis vor einem Jahr wohnten Ludwig und Margot Schott in dem Haus, das sie vor 25 Jahren selbst gebaut hatten. Ihr Sohn, die Schwiegertochter und die Enkel leben gleich in der Nachbar­schaft. Doch als Margot Schott an Par­kinson erkrankte, konnte das Ehepaar sein gewohntes Leben mit Familienak­tivitäten und Reisen nicht mehr fort­setzen. Als zudem Ludwig Schott an der Hüfte operiert wurde und der 84-Jährige wegen Komplikationen auf der Intensivstation lag, geriet die Situation völlig aus dem Ruder.
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Daraufhin ließ sich ihr Sohn von der Sozialstation seines Unternehmens beraten. Dort erfuhr er, dass im Hans-Sieber-Haus ein Appartement im „Wohnen mit Service" freisteht. Wäh­rend Ludwig Schott noch mit Klinik-und Reha-Aufenthalten schachmatt gesetzt war, zog seine Ehefrau im Sommer 2016 in die Zwei-Zimmer-Wohnung ein. „Für die regelmäßigen Lymphdrainagen und das Gerätetrai­ning muss ich jetzt nur von der fünf­ten in die zweite Etage", freut sich Ludwig Schott. Auch die Parkinsonbehandlung seiner Frau erfolgt direkt hier im MÜNCHENSTIFT-Haus. Und noch etwas genießt das Ehepaar: Sie nehmen das Mittagessen in der Haus­cafeteria ein, bereiten sich nur das Frühstück und das Abendessen in ih­rer Wohnung selber zu.
Das Einkaufen besorgt Ludwig Schott: „Wir haben unser Auto aufge­geben. Doch dank der guten Verkehrs­anbindung kann ich weiter in Pasing in den Geschäften einkaufen, die ich von früher kenne. Und wenn uns Freunde einladen, dann holen sie uns ab." Die beiden nehmen auch rege an den Veranstaltungen der MÜNCHENSTIFT teil. Demnächst steht der Be­such der Zauberflöte im Münchner Marionettentheater an, auf den sie sich als Opernliebhaber besonders freuen. „Wir mussten uns von vielen Sachen trennen, aber wir hätten Haus­halt und Garten nicht mehr geschafft. Hier können wir unser gewohntes Le­ben weiterführen", resümiert Margot Schott. Von einer Sache sind beide überzeugt: „Es ist wichtig, nicht zu lang mit dem Umzug zu warten. Man muss sich rechtzeitig entscheiden."
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Ein vielfältiges Angebot 
Der Bereich „Wohnen mit Service" im Hans-Sieber-Haus umfasst 48 barrierefreie Ein- oder Zweizimmer-Woh­nungen mit Küche. Je nach Lebenssituation können Mittagessen und weitere Leistungen dazu gebucht und abbestellt werden. Das angebotene Freizeitprogramm reicht von Ausflügen über Malkurse und Lesungen bis zu Bewegungsangeboten. „Wir haben BewohnerInnen, die schon über zehn Jahre bei uns leben", erzählt Rita Brüg­gemann, die vor 16 Jahren den Wohn­bereich mit aufgebaut hat. Heute berät und begleitet sie InteressentInnen und BewohnerInnen.
Manche ziehen bereits in jüngeren Jahren ein, andere erst im hohen Alter. Doch weniger das Alter als das persön­liche Befinden spielen dabei eine Rolle. Rita Brüggemann weiß, dass oft erst die Erfahrungen mit Krankheit, Ge­brechlichkeit oder Tod in der Familie oder im Bekanntenkreis den Ausschlag geben, sich für das „Wohnen mit Service" zu interessieren: „Viele Äl­tere versuchen so lange wie möglich im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung zu bleiben. Das führt häufig dazu, dass sie immer mehr Zeit auf den Haushalt verwenden müssen, an­statt sich auf die Dinge zu konzentrieren, die ihnen mehr Freude bereiten." Weitere schleichende Entwicklungen zuhause, wie seltener werdende sozia­le Kontakte oder eine eintöniger wer­dende Ernährung, weil man nicht mehr so häufig aus dem Haus kommt und sich nicht mehr so viel Mühe ma­chen möchte, lassen sich im „Wohnen mit Service" bequem vermeiden.
Sie rät, sich rechtzeitig zu verklei­nern und von Ballast zu befreien, um die späten Jahre genießen zu können. Dabei nimmt sie sich viel Zeit, die persönliche Situation der Menschen ken­nenzulernen und individuelle Lösungen zu finden: „Ich biete an, nochmal zu kommen, auch mit Angehörigen, oder eine Woche lang zur Probe zu wohnen. Wer sich mit der endgültigen Entscheidung noch Zeit lassen möch­te, kann sein bisheriges Zuhause noch eine Weile behalten und sich dazu bei der Fachstelle für pflegende Angehörige beraten lassen."
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Wenn es zuhause nicht mehr geht
Liselotte und Fritz Caumanns wohn­ten vor ihrem Umzug in Brunnthal in einem Haus mit Garten. „Plötzlich fing mein Mann an, anstatt in unserem Garten beim Nachbarn das Laub zu re­chen. Es stellte sich heraus, dass er an Alzheimer erkrankt ist", blickt die heu­te 89-Jährige auf diese schwierige Zeit zurück. Dann kam noch eine OP hinzu und auch Liselotte Caumanns fielen die Einkaufstouren mit dem Auto und die Arbeiten in Haus und Garten we­gen zunehmender körperlicher Ein­schränkungen immer belasternder. Da erfuhr sie von ihrem Sohn vom Hans-Sieber-Haus, das in der Nähe seiner Wohnung liegt. „Wir gingen zum Tag der offenen Tür und Frau Brüggemann führte uns durch das Haus und eine Wohnung, die gerade frei geworden war", erinnert sich Liselotte Caumanns. „Es war nicht leicht, das Haus aufzugeben und sich von vielen Sa­chen zu trennen, aber uns blieb nichts anderes übrig."
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Zwei Jahre bewohnte das Ehepaar gemeinsam das Appartement im „Wohnen mit Service", bis Fritz Caumanns aufgrund der fortschreitenden Erkrankungen in einen Wohnbereich mit Pflege wechselte. Hier konnte Li­selotte Caumanns ihren Ehemann, ohne weite Wege zurückzulegen, je­derzeit besuchen. „Wir sind oft spazie­ren gegangen, zuletzt saß er dabei im Rollstuhl", erinnert sie sich. Durch den Umzug in das Hans-Sieber-Haus lebt sie jetzt in der Nähe ihres Sohns, was ihr guttut. Vor allem als sie selbst im Sommer mehrfach im Krankenhaus war.
Obwohl ihr die Trennung vom Brunnthaler Haus schwergefallen ist, genießt sie es inzwischen, ohne Belas­tung etwas unternehmen zu können. Sogar eine Freundin hat sie im Haus gefunden, mit der sie regelmäßig Kar­ten spielt. Ihr Highlight der Woche aber ist der Mittwoch: Da findet die Malgruppe statt, und sie kann neue Landschaften und Blumenbilder in Aquarell erschaffen.
Fotos: Barbara Donaubauer