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Wohnen & Pflege

MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Da sein, wenn es nötig ist

Wer zu Hause Pflege benötigt, braucht flexible Unterstützung. Wie der Ambulante Dienst zusammen mit anderen Hilfen das Leben in den eigenen vier Wänden erleichtert, zeigen zwei Geschichten.
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An der Haustür klingelt es. Bettina Romeike unter­bricht die Arbeit, mit der sie gerade im Haushalt be­schäftigt ist, und öffnet die Tür. Wie jeden Morgen um diese Zeit betritt Zemira Egelkraut vom Ambulanten Dienst die Schwabinger Wohnung und geht nach einem kurzen Gruß ins Zimmer von Bettina Romeikes Mutter. Die 81-Jährige, die sich nicht mehr bewegen und äußern kann, wird täglich von der Mitarbeiterin des Pflegedienstes gewa­schen, angezogen und danach in ihren Pflegerollstuhl gesetzt. Dabei tau­schen sich Tochter und Pflegefach­kraft über den aktuellen Zustand der Mutter aus. Die Tochter nutzt die Zeit auch für eine kurze Ruhepause oder um andere dringende Dinge zu erle­digen. Sie weiß, dass sich ihre Mutter währenddessen in guten Händen be­findet.
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Seitdem Bettina Romeike mit ihrer pflegebedürftigen Mutter vor drei Jahren nach München zog, unterstützt die Fachkraft der MÜNCHENSTIFT die Familie zu Hause bei der Pflege. „Wir haben uns für den Ambulanten Dienst der MÜNCHENSTIFT entschie­den, weil er in dem Haus an der Rümannstraße integriert ist. Das bietet uns die Möglichkeit, unkompliziert an einen Kurzzeitpflegeplatz zu kom­men, wenn wir ihn einmal brauchen", erklärt die 60-Jährige. Bereits seit neun Jahren betreut Bettina Romeike ihre Mutter und gab dafür ihren Beruf auf. Sie zog sogar für einige Zeit zur Mutter nach Braunschweig, weg von ihrer Familie mit zwei Kindern in München. Erst als diese aufgrund star­ker Spastiken, zunehmender Demenz und Unbeweglichkeit nicht mehr die dortige Tagespflege besuchen konnte, kam Bettina Romeike mit ihrer Mutter zurück nach München.
Hilfe in Anspruch nehmen
Für Bettina Romeike und ihre Familie bedeutete das eine große Umstellung: „Ich war den ganzen Tag mit der Be­treuung und Pflege eingespannt und zusätzlich verschlang noch die ganze Organisation und das Ausfüllen der Anträge viele Stunden", erinnert sie sich. Zum Glück fand sie rasch Unter­stützung, die morgendliche Versor­gung durch den Ambulanten Dienst gehört dazu. Die Grundpflege der Seniorin umfasst Waschen, Eincre­men und Anziehen und anschließend den Transfer vom Bett in den Pfle­gerollstuhl. Den Rest des Tages be­treut und pflegt die Tochter ihre Mut­ter selber.
Dazu hat sie im Verlauf der letzten zehn Jahre einige Hilfsmittel angeschafft, wie zum Beispiel eine Hebe­vorrichtung oder ein Sitznetz. Damit schafft sie es, ihre Mutter auch einmal alleine umzusetzen. Doch sie hat sich noch mehr überlegt, damit die Familie im Alltag nicht dauernd zurück­stecken muss: „Wenn wir in Urlaub fahren, ist meine Mutter zur Kurzzeit­pflege im Haus an der Rümannstraße. Bald steht bei mir eine Hüft-OP an, dann wird sie Gast in der stationären Pflege, solange ich weg bin", erzählt Bettina Romeike erleichtert. Doch auch sonst hat die Familie Lösungen gefunden: „Wir nehmen meine Mutter einfach mit, sei es zum Einkaufen, ins Konzert oder zum Essengehen. Es ist zwar ungewöhnlich, mit einem so stark pflegebedürftigen Menschen un­terwegs zu sein, aber wir kriegen fast nur positive Rückmeldungen."
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Auch Ida Maria Hartinger, die im Hasenbergl wohnt, bekommt jeden Morgen Besuch vom Ambulanten Dienst. Nachdem Moamer Tulumovic die Tür aufgeschlossen hat, begibt er sich zielstrebig ans Bett der 65-Jähri­gen, deren rechter Unterschenkel vor drei Jahren amputiert werden musste. Der ausgebildete Krankenpfleger hilft der gebürtigen Münchnerin als Erstes beim Waschen und Anziehen. Danach befestigt er die Beinprothese und zieht ihr am linken Bein einen Thrombosestrumpf an. „Dabei unterhalten wir uns über alles Mögliche", freut sich Moamer Tulumovic. „Und wir machen immer Spaß", ergänzt Ida Maria Har­tinger lachend.
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Die ehemalige kaufmännische Ange­stellte lebt alleine in ihrer Wohnung. Mithilfe des Ambulanten Dienstes, der morgens und abends kommt, den Be­suchen ihrer Schwester, die zweimal in der Woche vorbeischaut, und einer Putzhilfe klappt das gut. Das war nicht immer so: Anfang des Jahres ver­schlechterte sich der Zustand von Ida Maria Hartinger drastisch. So war sie nach der Kurzzeitpflege während des Urlaubs ihrer Schwester noch weitere zehn Monate in stationärer Pflege im MÜNCHENSTIFT-Haus an der Tauernstraße. Als es ihr wieder besser ging, kehrte sie in ihre Wohnung zurück, betreut vom Ambulanten Dienst. Im MÜNCHENSTIFT-Haus hat es ihr gut gefallen, erst gestern war sie dort wieder zu Besuch: „Ich habe während meines Aufenthalts viele net­te Leute kennengelernt. Besonders schön fand ich, dass einmal in der Wo­che eine Musiktherapeutin kam, denn ich liebe Musik und Bewegung!"
Lebensmut bewahren
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Für die lebenslustige Seniorin ist La­chen Musik für die Seele. Deshalb wollte sie eine Ausbildung zum Klinik­clown absolvieren, als sie mit 57 Jah­ren in den Vorruhestand ging. Die Am­putation funkte dazwischen. Doch Ida Maria Hartinger, die schon andere Schicksalsschläge bewältigen musste, wie den Tod ihres Verlobten, lässt sich nicht so schnell unterkriegen. „Ich bin sehr dankbar für die Jahre, die ich nach der Amputation geschenkt be­kam", stellt sie nachdenklich fest. Fle­xibel zu sein, lernte sie schon während ihres Berufslebens. Und so hat sie be­reits eine Idee, wie sie trotzdem für die Klinikclowns etwas tun könnte: „Vielleicht gibt es die Möglichkeit, die Klinikclowns im Marketing zu unterstützen", erklärt sie aufgeräumt.
Für einen reibungslosen Ablauf ih­res Alltags hat Ida Maria Hartinger gesorgt. Neben technischen Hilfen wie Treppenlift, Badewannenlifter, Rollator oder Krücken verbessern auch die neuen Medien ihre Mobilität. Mithilfe von Computer und Internet ist sie nicht nur im regen Kontakt mit Fami­lie und Freunden. Sie erledigt auch ihre Einkäufe über das Netz und lässt sie sich bequem nach Hause liefern. Sie weiß auch schon, was sie tun wird, wenn sie irgendwann einmal mehr Pflege benötigt. „Dann ziehe ich wie­der in das Haus an der Tauernstraße oder in das Haus an der Effnerstraße, da es für meine Schwester viel besser erreichbar ist", sagt sie mit einem zu­friedenen Lächeln.
ET: September 2018
Fotos: Barbara Donaubauer