Kreativität im Alter

Warum ist künstlerische Betätigung im Alter wichtig?

Künstlerische Ausdrucksformen von Pflegeheimbewohnern

Dort, wo schwere körperliche Gebrechen, der Verlust der Sprache, Angst oder demenzielle Erkrankungen den Kontakt zur Außenwelt be- oder sogar verhindern, kann die Malerei zur letzten Sprache werden.

Diese Erfahrung machen seit Jahren viele Bewohnerinnen und Bewohner der MÜNCHENSTIFT-Häuser. Die meisten von ihnen haben erst bei uns mit dem Malen unter Anleitung der Künstlerin Roswitha Freitag begonnen. Das Malen und Ausstellen der Bilder ermöglicht ihnen, sich anderen mitzuteilen, bringt andere dazu, zuzuhören (bzw. zuzusehen) und sich so mit ihnen auseinanderzusetzen. Kreative Erfolgserlebnisse setzen Energien frei und stärken das eigene Selbstbewusstsein.

Die Malerei ist für diese Künstler kein Vertreiben von Langeweile, sondern das Wiedererlangen eines Teils der Würde, die manche schon endgültig verloren geglaubt haben.

Viele Bilder berichten von existenziellen Erfahrungen. Eine Bewohnerin drückt mit immer wiederkehrenden Motiven ihre traumatische Erinnerung an den frühen Tod des kleineren Bruders aus, der vor ihren Augen ertrunken ist. Einen Schäfer führt seine Malerei ein letztes Mal zu einer im Englischen Garten weidenden Schafsherde. Andere leben in ihren Bildern Ängste oder sexuelle Phantasien aus. Häufig wirken diese Bilder verstörend direkt und führen zu regen Diskussionen. Sie unterliegen keiner inneren Zensur, sie richten sich nach keiner Mode sind keinen gesellschaftlichen Erwartungen verpflichtet. Das macht ihre Eindringlichkeit aus.

Die mit dem Malen verbundenen Vorarbeiten und Recherchen eröffnen den Künstlern neue Perspektiven. Die auf sich selbst zurückgeworfenen älteren Menschen suchen und finden Anregungen von außen, ob beim Beobachten von Pflanzen und Vögeln mittels Bestimmungsbüchern, bei Museumsbesuchen, dem Betrachten von Bildbänden, dem Hören von Musik oder der Beschäftigung mit Literatur. 

Konzentration, Beschäftigung mit sich und den eigenen Gefühlen, die Mühe, Neues und Ungewohntes zu erlernen, fordern die älteren Menschen heraus und wecken Lebensgeister. Die kreative Arbeit wird für viele dieser Künstler zum Lebenselixir. Eine Teilnehmerin hat es so ausgedrückt: „Die Zeichnung und die Malerei rettete mich immer wieder aus ausweglosen Situationen.“

Die gesellschaftliche Isolation, der Bleideckel der völligen Vereinsamung und Bedeutungslosigkeit, in der sich viele alte Menschen befinden, wird über die Malerei immer wieder ein wenig angehoben.

Das Alltagsleben im Haus gewinnt für alle Bewohnerinnen und Bewohner an Farbe. Die Bilder werden in den Häusern aufgehängt und werden so auch Teil der Lebensraumgestaltung. Mit ihnen können sich die Bewohner identifizieren.

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Tobias Brunner
Leitung Abteilung Verwaltung
Tel. 089 62020-381