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MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Erinnerungen

Peter Birkhold: Werkbank

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Wenn Peter Birkhold aufwacht, dann fällt sein Blick auf die große Werkbank gegenüber von seinem Bett. Der ehemalige Starkstromelektriker war viel auf Montage zur Reparatur von Lokomotiven unterwegs. Bis nach Afrika, Brasilien und in die USA hat ihn die Arbeit gebracht. Als Rentner baute er dann eine Modelleisenbahn mit ein paar Hundert Wagen. Mit der Werkbank baute er vor kurzem ein Vogelhaus für den Wohnbereich im Haus St. Josef. Und wenn jemand mal ein Werkzeug braucht, dann hilft Peter Birkhold gerne aus. „Früher habe ich lange herumgetüftelt, bis ich den Dreh heraushatte“, erzählt der Münchner. „Heute fehlt es vielen Menschen an praktischem Grundwissen.“

Margarete Burger: Plüschkatze

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An die 30 Operationen wegen Primär-chronischer Arthritis hat Margarete Burger seit den 1970er Jahren hinter sich. „Bei meinem ersten Klinikaufenthalt brachte mir mein Mann eine Plüschkatze und eine Aufnahme des Fürstenfeld-Songs ‚I will wieder hoam‘“, erzählt die Steiermärkerin, die nach München heiratete und als Pflegemutter Kinder, Hunde und Katzen betreute. Als Margarete Burger 2018 in das Haus St. Martin zog, musste natürlich die „Steif“-Katze von der ersten OP mit. „Ich fühle mich selber als Kampfkatze, pfauche wie eine Katze und habe auch den Aufkleber ‚Die Kampfkatze‘ an meiner Tür .“

Therese Bachmann: Orchideenpflanze

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Zum 80. Geburtstag erhielt Therese Bachmann von der Mutter ihrer Schwiegertochter eine üppig blühende Orchidee. Als sie vor zwei Jahren in das Haus St. Martin zog, erhielt die Pflanze einen hellen Platz. „Ich liebe Orchideen, daher habe ich zwei Stöcke in meinem sonnigen Zimmer“, freut sich die Niederbayerin, die mit 18 Jahren nach München zum Arbeiten kam. Wenn sie Ausgang hatte, ging sie in den Augustiner, wo sie ihren Mann kennenlernte. In ihrer gemeinsamen Wohnung blühten viele Blumen und ein Oleander stand auf der Terrasse.

Margarete Hoffmeister: Goldene Rose

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Margarete Hofmeister erhielt eine goldene Rose von ihrem Mann zur goldenen Hochzeit. 1960 hatten sie geheiratet. „Ich hänge sehr an ihr, weil es mit dem Heimplatz sehr schnell ging und ich nur wenig mitnehmen konnte“, erzählt die Münchnerin, die mit 11 Jahren Vollwaise wurde. „Es war mir immer wichtig, dass es meine Tochter einmal besser haben sollte. Mein Mann war sehr gesellig und hat meiner Tochter viel erzählt. Sie saß dann zwischen uns und wir haben gemeinsam viel gelacht.“ Und sie ergänzt: „Hier im Haus St. Martin fühle ich mich geborgen, zu Hause fühlte ich mich zuletzt eingesperrt, denn ich konnte keine Treppen mehr steigen.“

Gertraud Lesser: Hochzeitsfotos

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Es war Liebe auf den ersten Blick. Gertraud Lesser lernte ihren Mann in einem Kaffee in Traunstein kennen. Als eine Arbeitskollegin ein paar Tage später eine Wanderung zur Kampenwand vorschlug, war er schon dabei. Ein großes Foto von der Wanderung hängt heute in ihrem Zimmer im Haus an der Tauernstraße und ein Hochzeitsbild steht auf ihrem Nachttisch. „Jeden Abend schimpfe ich mit meinem Mann, dass er so früh gegangen ist.“ Die Fotos von der Hochzeit mit einer getrockneten Nelke vom Brautstrauß und den Rosmarinzweig des Bräutigams zeigt sie gerne den Enkeln und Urenkeln, wenn sie zu ihr zu Besuch kommen.

Hildegard Mittelberger: Foto des Ehemanns

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„Wenn ich an meinem Mann denke, geht mir das Herz auf“, sagt die weitgereiste Münchnerin und hält ein gemeinsames Foto von ihnen hoch. Kennengelernt haben sie sich auf einer Busreise nach Budapest, sie war für jemanden eingesprungen, er lenkte die Reisegruppe als Busfahrer in die ungarische Hauptstadt. Die ersten Blicke, die sich im Rückspiegel des Busses trafen, sind ihr wir gestern präsent. „Ich denke jeden Tag an ihn“, erzählt sie mit dem Foto in der Hand. Auch mit ihren Kindern aus erster Ehe verbindet sie viele Erinnerungen. Durch den Beruf ihres ersten Mannes lebte sie in vielen Ländern und brachte das eine oder andere mit: „Nur in Italien fand ich für meine zierliche Tochter ein paar Schuhe, die so klein waren, dass sie ihr auch passten.“

Dr. Rudolf Nunn: Persische Parfumflasche

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Als Rudolf Nunn als Leiter des Goethe-Instituts mit seiner Familie nach Teheran wechselte, geriet er mitten in die Absetzung des Schahs und in die darauf folgende Islamische Revolution hinein. Das Goethe Institut bot in dieser kritischen Zeit vielen kritischen Stimmen ein Podium. Auch im Hause Nunn fanden Lesungen von Schriftstellern statt, die aus dem Exil zurückkamen. Eines Tages stand auch die Frau des Revolutionsführers Chomeini vor ihrer Tür und interessierte sich für das Haus, in der die Familie lebte. Zum Glück entsprach es nicht den Sicherheitsanforderungen des aus dem Exil zurückgekehrten zukünftigen Staatsoberhauptes. Eine Parfumflasche, die seine Frau in dieser Zeit auf dem Bazar erstand, erinnert Rudolf Nunn heute an diese aufregende Zeit des Aufbruchs, die sich bald in eine Schreckensherrschaft verwandelte.

Regina Otto: Marionettenpuppe

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„Ich bin der Simmerl“, sagt Regina Otto und hält die Marionettenpuppe hoch, die sie vor 50 Jahren von ihrem Arbeitgeber, dem Pfarrer von St. Stephan, als Ostergeschenk bekommen hatte. Seitdem begleitet Simmerl die ehemalige Pfarramtssekretärin überall hin. Selbst bei Wanderungen oder im Urlaub war er im Rucksack oder Körbchen immer mit dabei. Große Freude bereitete er, wenn Regina Otto ihn im Kindergottesdienst oder an den Seniorennachmittagen lebendig mit den Menschen reden ließ. „Er ist das Einzige, das ich von zu Hause nach St. Josef mitgenommen habe. Jeden Tag teile ich Ärger und Freude mit ihm.“
ET: Dezember 2020
Fotos: Barbara Donaubauer