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MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Sich einlassen

Neben seiner Paraderolle als „­Bergdoktor“ ist Hans Sigl in verschiedenen Medien unterwegs. Instagram-Talks und Feminismus spielen dabei auch eine Rolle.  
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Haben Sie den Eindruck, vor allem als „Bergdoktor“ wahrgenommen zu werden?
Immer weniger, aber das war ein Prozess. Natürlich ist diese Serienrolle das Erste, was den Leuten zu mir einfällt, aber ich habe auch Anderes gemacht, z. B. den Film „Flucht durchs Höllental“, und seit einer Weile bin ich auch im Internet aktiv. Vor 10 Jahren begann ich mit Posts vom Set auf der Facebook-Seite des „Bergdoktors“, vor etwa 4 Jahren eine Instagram-Seite. Beim ersten Lockdown kam ich auf die Idee, „Instagram Talks“ zu machen, bei denen ich Gäste interviewe, z. B. Alice Schwarzer, Doris Dörrie oder Sara Nuru und – regelmäßig an Dienstagen – die Ärztin Carola Holzner, die Fragen zu medizinischen Themen beantwortet. Ich war lange mit dem Satire-Talk „Hintze und Sigl“ live auf der Bühne und mochte das sehr gerne. Bei den Talks war es sehr spannend, mit oberflächlichen Themen, wie z. B. einem neuen Buch, zu beginnen und dann ein tiefes, ehrliches Gespräch zu führen. Das beeindruckte mich sehr und es entstand daraus eine kleine Reihe. Nach einer Pause im Sommer wegen der Dreharbeiten für den „Bergdoktor“ ging es im zweiten Lockdown weiter. Ich mag es, mich auf das Gegenüber einzulassen, muss mich nicht produzieren, sondern kann Fragen stellen. Auch die Rolle des Martin Gruber lebt von dieser Eigenschaft, und das ist eine Gemeinsamkeit vom Bergdoktor und Hans Sigl.
Welche Themen stehen im Mittelpunkt?
Den „Bergdoktor“ schauen mehr Frauen als Männer und auf der Facebook-Seite schreiben hauptsächlich Frauen. Nachdem ich letztes Jahr Alice Schwarzer bei einer Quizshow traf und sie sich als „Bergdoktor“-Fan outete, merkte ich, dass mich Themen beschäftigen, die in der Gesellschaft aktuell sind, bedingt durch die Me-Too-Debatte z. B. der Feminismus. In den Talks habe ich nun angefangen, mit Frauen darüber zu reden, die sich dazu geäußert haben. Aber es geht auch um ganz andere Themen. Ich liebe die Abwechslung und bin an so vielen Themen interessiert, dass sich das auch in diesen „Insta-Talks“ widerspiegelt.
Wie geht es mit den „Instagram-Talks“ und Ihren anderen Projekten weiter?
Anfang März wird das nächste „Winterspecial“ für den „Bergdoktor“ gedreht, dann geht es mit dem zweiten Teil von „Flucht durchs Höllental“ weiter und im Sommer folgt eine neue Staffel des „Bergdoktors“. Nebenbei plane ich wieder Bühnenabende in der Münchner „Komödie“, das sind Wohnzimmerabende mit Klaviermusik und Gästen und das geht wieder in Richtung Kabarett. Außerdem gibt es Lesungen von Arthur Schnitzler zusammen mit Nicole Beutler. Dazu habe ich große Lust, denn ich komme vom Theater, wo man viel Verschiedenes nebeneinander macht.
Sie sind mitten im Leben, was man „Best Ager“ nennt. Was macht das mit einem?
Das Wort ist Produkt unserer Werbeindustrie. Der 50. Geburtstag hat bei mir gar nicht so viel ausgelöst. Aber ich habe an mir inzwischen Ruhe, Klarheit und Gelassenheit kennengelernt, mich über viele Dinge nicht mehr aufzuregen, die mich früher zerrissen hätten. In unserer Patchwork-Familie sind drei Kinder jetzt über 20, sie sind aus dem Haus und haben ihren Weg gefunden. Man kann jetzt etwas loslassen, sich zurücklehnen und beobachten, auch sich selbst. Es ergeben sich andere Prioritäten und Schritte, und das ist sehr schön.
Sie achten auf Ihre Ernährung und meditieren...
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Für „Flucht durchs Höllental“ habe ich 15 Kilo zugenommen und danach wieder abgenommen. Es war eine ganz spannende Reise, innerhalb von drei Monaten so viel abzunehmen. Ein Coach hat mich dabei unterstützt und beraten. Ich lernte, ganz bewusst beim Essen und Trinken darauf zu achten, wo sich Inhalte wie Zucker, Kohlenhydrate und Alkohol befinden, das schärft die Sinne und tut gut. Das Umdenken allein führt schon zu tollen Ergebnissen, vor allem wenn man dazu dann noch etwas Sport treibt. Und man kann es relativ entspannt angehen, z.B. damit anfangen, anstatt Kaffee morgens Tee zu trinken. Das ist, wenn man so will, schon eine erste Achtsamkeitsübung. Achtsamkeit ist für mich ohnehin essentiell. Sowohl im Miteinander, als auch beim Umgang mit sich selbst. Jeder denkt bei dem Wort, dass man sofort meditieren müsste, das ist aber nicht so. Meditation gehört dazu und die ist einfacher, als die meisten glauben. Man muss sich nur etwas Zeit nehmen, sich hinsetzen, die Hände auf die Knie legen und sich auf den eigenen Atem konzentrieren. Ich meditiere nicht zwei Stunden im Lotussitz und schwebe dann 10 Zentimeter über dem Boden. Meine Meditationen sind mal kürzer, mal länger, manchmal sind es auch nur ein paar Minuten während eines Spaziergangs. Da bleibe ich stehen und schließe einfach für ein paar Minuten die Augen und höre und spüre die Natur anders, bewusster. Das ist meine Alltagsmeditation. Ich habe mit dem Facharzt Pablo Hagemeyer eine Meditationsreihe mit CDs entwickelt, die darauf basiert und in einem Kopfkino durch Wälder oder Meere führt.  
Das Lebenswerte ist als sogenannter Best Ager, dass ich mir nach alldem dann sagen kann: „Jetzt esse ich Spätzle“ und mich nicht geißeln muss...
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ET: März 2021
Fotos: © fotowunder