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Wohnen & Pflege

MÜNCHENSTIFT Onlinemagazin

Digitales Bewegungsangebot

Seniorinnen und Senioren lieben Exergames, die Computerspiele, die speziell für therapeutische Zwecke entwickelt wurden. Sie sorgen im Haus St. Martin für gute Laune und Bewegung. 
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Es ist Dienstagnachmittag. Rund ein Dutzend Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses St. Martin haben sich um zwei große Monitore versammelt. Die beschwingte und ausgelassene Atmosphäre ist mit Händen greifbar. Angelika Ott tritt auf dem Fahrrad-Ergometer in die Pedale und verfolgt dabei auf einem der Monitore ihre virtuelle Rundfahrt durch die Münchner Innenstadt. Ein paar Meter weiter sind Rita Schneider und Leonhard Valier an einem anderen Monitor in ihr virtuelles Volleyballspiel vertieft. Von ihren bequemen Stühlen aus steuern sie über eine 3-D-Kamera mit ihren Armen das gemeinsame Spiel. Einige Bewohnerinnen und Bewohner feuern sie dabei an. So vergeht die Zeit, bis sie selbst an der Reihe sind.
Unterhaltsame Bewegung
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Die virtuellen Ausflüge und Spiele wurden speziell für ältere Menschen entwickelt und sind nun – mit Unterstützung der Siemens-Betriebskasse – im Haus St. Martin im Einsatz. Während auf einem Monitor ein Video zu einem selbstgewählten Thema läuft, werden die Seniorinnen und Senioren zu Bewegungen angeregt, die sie in ihrem Alltag nicht mehr ausführen, die dann mithilfe einer 3-D-Kamera das weitere Geschehen auf dem Monitor beeinflussen. Die Übungen werden individuell auf den Gesundheitszustand und die Mobilität der Übenden angepasst, sodass auch diejenigen daran teilnehmen können, die beispielsweise im Rollstuhl sitzen oder ihre Arme nicht mehr ganz heben können. Mit viel Freude und Leichtigkeit verbessern sie dabei ihre Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit sowie ihr Wohlbefinden. 
Zweimal in der Woche kann im Haus St. Martin trainiert werden. Nicht mehr mobile Bewohnerinnen und Bewohner kommen in Begleitung der Betreuungsassistentinnen und -assistenten des Hauses. „Der Andrang ist so groß, dass wir uns ein System einfallen ließen, damit alle Interessierten drankommen“, erzählt Hedwig Gawlik von der Hausinternen Tagesbetreuung. Die Interessierten ziehen am Anfang eine Zahl, die sie dann auf einer Warteplakette an einem Halsband erhalten.
Therapeutische Unterstützung
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„Wir können nicht nur die Ausdauer allmählich steigern, sondern auch das Sicht- und Spielfeld vergrößern, sodass bei regelmäßigem Üben die nach einem Schlaganfall typische Gesichtsfeldeinschränkung allmählich überwunden wird. Eine Bewegungstherapeutin hilft uns, die Bewegungsabläufe zu optimieren“, erzählt Barbara Pröls von der Hausinternen Tagesbetreuung. So hat Angelika Ott durch ihre regelmäßigen Touren ihr Gesichtsfeld bereits nach links erweitert. Auch der einseitigen Lähmung ihrer Arme und Beine arbeitetet sie durch das beidseitige Pedaltreten und Greifen nach dem Lenkrad entgegen. Und das ganz nebenbei. „Ich liebe es durch München zu radeln, am liebsten durch Gegenden, die ich schon lange nicht mehr besucht habe“, schwärmt die 70-Jährige. Nicht nur Bewegungsmuffel lassen sich auf diese Weise verführen, auch mal einen Ausflug nach Paris oder Chicago zu wagen oder durch eine schöne Landschaft zu flitzen. So hat sich Anna Zeitler heute die amerikanische Wüste für eine Tour ausgesucht. Die 99-Jährige leidet gerade an einem Rheumaschub. Die Bewegung hilft gegen die Versteifung und die Schmerzen in den Knien. „Wenn ich radle, dann bin ich schmerzfrei“, erzählt sie. „Früher fuhr ich oft mit dem Rad. Wenn ich jetzt wieder unterwegs bin, bin ich glücklich.“
Gemeinschaft erfahren
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„Neben dem gesundheitlichen Effekt kommt bei dem Spiel die soziale Interaktion zum Tragen. Es gibt viele beliebte Spiele, als Einstieg dient oft Bingo, das viele kennen“, erklärt Alina Berger von der movement24 GmbH, die die Einführung der Exergames im Auftrag der Siemens-Betriebskrankenkasse im Haus begleitet. „Eine tolle Stimmung kommt dabei auf“, freut sich Hedwig Gawlik, „es sind schon Freundschaften dabei entstanden und sogar ein Liebespaar hat sich gefunden.“
Fotos: MÜNCHENSTIFT
ET: März 2020