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4 Fragen an Annemarie Erhardsberger

15. Juli 2021

Annemarie Erhardsberger ist unsere stellvertretende Pflegedienstleitung (sPDL) im Hans-Sieber-Haus. Doch eigentlich sollte Sie dort nur vorübergehend aushelfen als im Hans-Sieber-Haus Not am Mann bestand. Gemeinsam mit ein paar anderen kommissarischen Helfer*innen entschied sie sich dann aber nach ihrem Einsatz im Haus zu bleiben.

Seit wann bist Du bei der MÜNCHENSTIFT? Wie ging es für Dich los und was genau tust Du heute?

Ich wollte Krankenschwester werden, aber damals wurden nicht genügend ausgebildet, daher schaute ich mich bei der Kinderbetreuung und der Altenpflege um. Ich stellte fest, dass die Arbeit mit alten Menschen mir Spaß machte, ich kannte das selbstverständliche Miteinan­der der Generationen aus mei­ner Kindheit. Ich begann 1986 eine Ausbildung zur Altenpflegerin, trat 1989 eine Stelle als Pflegefachkraft im Haus St. Martin an und wurde schon bald Stationsleitung. Heute arbeite ich als stellvertretende Pflegedienstleitung im Hans-Sieber-Haus. Ich bin jeden Tag im Haus unter­wegs und stehe den Mitarbeitenden beratend zur Seite, gebe meine Erfahrung und Sicherheit weiter, sodass die Pflegequalität stimmt.

Wie sorgst Du dafür, dass Mitarbeitende und Bewohner*­innen gefördert werden und es ihnen gut geht?

Am wichtigsten ist es, dass unse­re Pflegegäste trotz Beschwer­lichkeiten so leben können, dass sie am Ende des Tages sagen können: Heute war es schön! Dazu gehört neben der Grundpflege, dass wir ihnen das Leben von draußen hereinbringen, wir miteinander reden, Neues er­zählen, sie zum Lachen bringen und auch zuhören. Das ist wich­tiger als nur auf Sauberkeit und Ordnung zu achten, wobei ich es sehr wichtig finde, dass Haare und Kleidung stimmen, dass sie gut aussehen und sich wohl füh­len. Aber ich kann z.B. während des Anziehens von Strümpfen ein Gespräch führen.

Was ist Dir bei Deiner Arbeit besonders wichtig?

Egal ob Mitarbeitende oder Pflegegäste: es ist wichtig, acht­sam zu sein, sich auf die Men­schen einzulassen und herauszu­bekommen, welches Leben sie bisher geführt haben und ver­suchen, sie zu verstehen. Die Auszubildenden aus der Flüchtlingsklasse haben z. B. oft große Dramatik hinter sich. Hier stoßen sie zum Teil auf Trümmerkinder. Wichtig ist es, zum Kern der Menschen zu kommen.

Wie wirst Du unterstützt?

Ich kenne kein Unternehmen, das so gut strukturiert ist und so transparent und offen mit Zahlen und seinem Wertekodex umgeht. Das macht es mir ein­fach. Die Werte der MÜN­CHENSTIFT sind immer präsent und helfen mir bei der konkre­ten Arbeit. So bedeutet Wert­schätzung für mich, dass alle Mit­arbeitende immer zu mir kom­men können, selbst wenn Fehler gemacht wurden. Sie können auf meine Unterstützung bauen, und wir arbeiten gemeinsam daran, dass es nicht mehr passiert.

Text: MÜNCHENSTIFT Magazin, Heft 94 - Dezember 2020
Fotos: MÜNCHENSTIFT