

- Wohnen & Pflege
„Die Menschen sollen im Alter zufrieden leben können“
Seit fünf Jahren wacht Verena Dietl, 3. Bürgermeisterin der Stadt München, als Aufsichtsratsvorsitzende über die Geschicke der MÜNCHENSTIFT und gestaltet die Pflege wesentlich mit. Zeit für einen Blick zurück – und nach vorne: Was wurde erreicht und worauf kommt es in Zukunft an?
Sie sind seit fünf Jahren Aufsichtsratsvorsitzende. Was ist Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?
Mir ist wichtig, nicht nur Zahlen zu lesen und Papier zu bewegen. Mich interessieren die Gespräche mit Mitarbeitenden, Bewohner:innen und Angehörigen, die mir erzählen, wie es ihnen geht und was ihnen wichtig ist. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Beisammensein mit zwei Bewohnerinnen im Alfons-HoffmannHaus kurz vor Weihnachten. Ich konnte ihnen mit einer Weihnachtsaktion der Malteser ihre Wünsche erfüllen und eine Freude bereiten. An diesem Nachmittag habe ich auch wieder erlebt, was in unseren Häusern alles gemacht wird: gerade wurde ein Konzert gegeben. Ich genieße es immer sehr, in die Häuser zu kommen, man fühlt sich sofort wohl. Die schön gestalteten Foyers und die Cafeterien laden ein, zusammenzukommen. Darauf legen wir viel Wert, auch bei Sanierungs- und Baumaßnahmen.
Sie haben selbst als Pflegehilfskraft gearbeitet. Hätten Sie sich vorstellen können, einmal Aufsichtsratsvorsitzende der MÜNCHENSTIFT zu sein?
Das hätte ich sicher nie für möglich gehalten. Die Arbeit in der Pflege, nah am Menschen zu sein, hat mich sehr erfüllt, auch als ich neben meinem Studium der Sozialpädagogik in der ambulanten Pflege tätig war. Ich bin aber auch an meine Grenzen gekommen, wenn es nicht genug Zeit für persönliche Gespräche gab. In die Politik gegangen bin ich, weil ich die Bedingungen der Menschen, die im sozialen Bereich arbeiten – insbesondere in der Pflege –, verändern wollte: „Jetzt schaut doch mal hin, das sind die Pflegebedin-gungen. Was können wir verbessern?“ Meine Entwicklung hängt sehr stark mit meiner Arbeit in der Pflege zusammen.
Was hat die MÜNCHENSTIFT in den vergangenen fünf Jahren erreicht?
Natürlich bin ich sehr stolz darauf, dass wir eine geringe Fluktuation haben und auf dem Münchner Pflegemarkt der Anbieter mit der höchsten Auslastung sind. Als zuständige Bürgermeisterin für die Bereiche Gesundheit und Soziales habe ich die Leitung des Lenkungskreis „Pflege“ übernommen. Hier fließen die Erfahrungen aller Pflegeeinrichtungen Münchens ein. Gemeinsam schauen wir, was es an gesetzlichen Veränderungen und konkreten Maßnahmen zur Entlastung der Pflegekräfte braucht. In der MÜNCHENSTIFT haben wir das dann umgesetzt: beispielsweise die neue Pflegeoase im Haus St. Maria Ramersdorf, mit der wir einen neuen Standard für demenziell erkrankte Menschen erreichen. Oder mit der Vier-Tage-Woche, die bereits erfolgreich im Test läuft. Auch weil die MÜNCHENSTIFT wirtschaftlich gut dasteht, war vieles möglich.
Wie sehen Sie die Situation älterer Menschen in München?
Wir leben in einer reichen Stadt, aber die Schere geht auseinander. Als Kommune tun wir, was möglich ist: mit kostenlosen Mittagessen in den Alten- und Service-Zentren zum Beispiel, mit Mehrgenerationen-projekten oder mit dem Streetwork-Projekt „SAVE“, das Senior:innen hilft, die sich aus eigener Kraft keine Unterstützung suchen. Mir ist wichtig, dass die MÜNCHENSTIFT für alle Situationen ein Angebot macht: vom selbstständigen Wohnen bis hin zur Vollpflege – und für die Angehörigen, die oft unvorbereitet in ihre Rolle als Pflegende kommen. So stelle ich mir ein solidarisches Miteinander vor.
Was braucht die Pflege in München in Zukunft?
Als städtische Tochter haben wir den Auftrag, im Rahmen der Daseinsvorsorge genügend Pflegeplätze zu schaffen, die einen hohen Standard bieten. Die Menschen sollen im Alter zufrieden leben können. Mit den Neubauten in der Tauernstraße und der Franz-Nißl-Straße – die in diesem Jahr eröffnet werden – sind wir hier einen großen Schritt vorangekommen. Nach und nach werden weitere Häuser saniert. Aufgrund der Altersentwicklung wird es in Zukunft noch ein weiteres Haus brauchen. Gleichzeitig denken wir die Bedürfnisse der Pflegekräfte mit. So entstehen über den Parkplätzen am Haus an der Rümannstraße neue Mitarbeiterwohnungen. Als MÜNCHENSTIFT wollen wir auch hier weiter Vorreiterin sein.
Text: MÜNCHENSTIFT Magazin, Heft Nr. 115 – März 2026
Foto: Julian Schulz