Kultursensible Pflege und gelebte Vielfalt

Ein Zuhause für alle

Selbstbestimmt leben zu können, ist eine ganz wesentliche Voraussetzung für ein glückliches Dasein. Doch was heißt selbstbestimmt? Für unsere Pflege und Betreuung von Senior*innen bedeutet das: Die Menschen haben bei uns ihren Platz - unabhängig von sozialer und kultureller Herkunft, von Ethnie und Religionszugehörigkeit, von ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung.

Respekt für jede*n

In unseren Häusern sind alle willkommen. So unterschiedlich die Biografien unserer Bewohner*innen und Mitarbeitenden auch sein mögen - wir begegnen uns und allen mit Respekt. Zugleich gehen wir auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Bewohner*innen ein. Unsere Mitarbeitenden werden kultursensibel geschult: in ihrer Ausbildung, in der Einarbeitung und in unseren Fort- und Weiterbildungen.

Du gehörst dazu!

Mit der Gestaltung unserer Häuser, etwa ein mediterranes Ambiente im Haus Heilig Geist und Begegnungs- und Gebetsräume für Muslime im Hans-Sieber-Haus, gehen wir auf die Bedürfnisse der dort lebenden Menschen ein. Dolmetscher*innen und Übersetzer*innen unterstützen uns, wenn Sprachbarrieren zu überwinden sind. Und wir bieten in allen Häusern eine Vielfalt an Kunst, Kultur, Unterhaltung und Weiterbildung für Senior*innen. So können alle Menschen bei uns ankommen und eine lebendige Gemeinschaft erleben. Denn wer dazugehört, ist glücklicher.

Neugierde auf das Fremde

"Die Toleranz gegenüber dem Anderen hat sich sehr verbessert. Statt Abwehr kommt häufig Neugierde auf das Fremde und Verständnis für Mitarbeiter*innen, Bewohner*innen und Angehörige aus anderen Kulturkreisen oder mit anderen Lebensweisen."

Brigitte Harz-Jahnel,

Hausleitung im Haus an der Rümannstraße

So leben wir Vielfalt

  • Kultursensible Ausbildung und Einarbeitung aller Mitarbeitenden
  • Schulung und Training zur interkulturellen Altenpflege und zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen für Auszubildende und Mitarbeitende
  • Fortbildung zu ethischen Grundlagen und politischer Bildung
  • Sensibilisierung durch Projekte, z. B. durch die Kampagne "RESPEKT - diskriminierungsfrei miteinander leben und arbeiten"
  • Mahlzeiten aus unterschiedlichen Kulturräumen auf unserem Speisenplan
  • Häuser mit kulturspezifischen Angeboten für die dort lebenden Bewohner*innen
  • Interkulturelle Herbstwochen in allen Häusern mit insgesamt 26 Veranstaltungen (2019) - vom afrikanischen Tanz bis zur Klavier-Matinée

Als Projekt gestartet - heute gelebte Vielfalt

Ein Beschluss im Münchner Stadtrat gab 2014 das Startsignal: 

  • Durch die interkulturelle Öffnung ist es uns gelungen, die Bedürfnisse von Migrant*innen noch stärker in die Pflege mit einzubeziehen.
  • Dank der Sensibilisierung der Pflege für unterschiedliche Lebensweisen sind pflegebedürftige Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell leben, ausdrücklich in unseren Häusern willkommen.

Interkulturelle Öffnung

Noch sind die Bewohner*innen in unseren Häusern zu 96 Prozent deutscher Herkunft. Doch das wird sich ändern. Rund 28 Prozent der Münchnerinnen und Münchner haben einen ausländischen Pass, etwa 15 Prozent Migrationshintergrund. Das bedeutet: Die Zukunft unserer Pflege ist mutlikulturell. Und schon heute lernen wir interkulturell sensibel miteinander zu leben und zu arbeiten. Denn mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden sind ausländischer Herkunft.

Bewohnerin mit ihrem Ehemann im Innenhof des Seniorenwohnheims

Begonnen hat die Interkulturelle Öffnung (IKÖ) als 5-jährige Projektarbeit in zuerst drei, später vier Häusern der MÜNCHENSTIFT. Es wurden in den Häusern Bezüge zur Heimat der dort lebenden Senior*innen hergestellt. Neue Schulungen für Mitarbeitende wurden eingeführt, um für die interkulturelle Pflege fachlich und persönlich gut vorzubereiten. Und das Angebot an Speisen und Begegnungsräumen, z.B. Veranstaltungen, wurde an die Bedürfnisse von Migrant*innen angepasst. 

Über die Jahre wurden die erfolgreichsten Maßnahmen Bestandteil der natürlichen Abläufe in den Projekt-Häusern. Und sie wurden von den anderen Häusern übernommen. Heute sind sie in der ganzen MÜNCHENSTIFT selbstverständlich. 

In Fachkreisen und der Öffentlichkeit gilt die MÜNCHENSTIFT inzwischen als Expertin gelebter Vielfalt. Unsere Erfahrungen und Erkenntnisse geben wie gerne weiter.

Pflege für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender

Respektiert werden, nach den eigenen Bedürfnissen und Gewohnheiten leben - das wünschen sich alle Menschen, die pflegebedürftig werden. Zunächst in Projekt-Häusern hat die MÜNCHENSTIFT für die Pflege und Betreuung von LGBTI*-Menschen sensibilisiert. Mitarbeitende wurden in Schulungen mit der Lebenssituation und den Biografien von LGBTI*-Menschen vertraut gemacht. Mit Veranstaltungen wie Ausstellungen zu LGBTI*-Themen oder Tanztees haben wir neben unseren Bewohner*innen und Mitarbeitenden auch Besucher*innen gezielt angesprochen und dazu eingeladen, sich dem Thema zu öffnen. 

Unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität und ihrer sexuellen Orientierung, unabhängig davon, ob Menschen sich outen oder in der gewohnten Zurückhaltung leben möchten, wir schaffen den Raum dafür. Nach mehrjähriger Projektarbeit gehört der Geist einer offenen respektvollen Atmosphäre gegenüber LGBTI*-Menschen zur Identität der MÜNCHENSTIFT. 

Queeres Bewohnerehepaar bei der Münchenstift

Pflegebedürftige LGBTI*-Menschen finden bei uns ein Zuhause, in dem sie nach ihren Bedürfnissen leben können. Und Mitarbeitende ein Arbeits- und Lebensumfeld, in dem sie sich respektiert und wertgeschätzt fühlen. Der monatliche LGBTI*-Stammtisch ist außerordentlich beliebt und sehr gut besucht - auch von Mitarbeitenden, die sich nicht zur Community zählen.