So klappt es mit der Vier-Tage-Woche in der Pflege:   
    Halbzeitbilanz bei der MÜNCHENSTIFT

    15. Januar 2026

    Ein halbes Jahr lang testet die MÜNCHENSTIFT, ob die Vier-Tage-Woche in der Pflege ein Arbeitszeitmodell der Zukunft ist. Seit Oktober 2025 gibt es dazu in den neun städtischen Pflegeheimen ein Pilotprojekt. Die Halbzeitbilanz im Januar fällt positiv aus. 

    „Unsere Mitarbeitenden haben signalisiert, dass die MÜNCHENSTIFT mit der Vier-Tage-Woche auf dem richtigen Weg ist“, sagt MÜNCHENSTIFT-Geschäftsführer Andreas Lackner im Januar, nachdem die erste Hälfte des Testzeitraums vorüber ist. „90 Prozent der Rückmeldungen aus der Belegschaft sind positiv.“

    Ein freier Tag mehr

    In der Vier-Tage-Woche arbeiten die Pflegekräfte nach wie vor Vollzeit: Sie verteilen 39 Wochenstunden auf vier statt wie bisher auf fünf Tage. Das heißt: Sie arbeiten jetzt nicht mehr 7,8 Stunden am Tag (7 Stunden, 48 Minuten), sondern 9,75 Stunden (9 Stunden, 45 Minuten), jeweils zuzüglich Pause. 

    „Für unsere jungen, kinderlosen Kolleg:innen fallen eine Stunde und 42 Minuten Mehrarbeit am Tag kaum ins Gewicht“, sagt Lackner. „Im Gegenteil: Sie freuen sich, dass sie einen freien Tag mehr haben und nehmen das als großen Vorteil wahr.“ Anders hingegen sei die Situation für die Mütter und Väter unter den Kolleg:innen. Zu ihrem Alltag passten die längeren Arbeitszeiten weniger, etwa, weil sie ihre Kinder zu bestimmten Zeiten aus der Betreuung abholen müssen.

    Freiwilliges Angebot

    Die Vier-Tage-Woche sei ein freiwilliges Angebot und werde es – im Falle einer Fortführung – auch bleiben, betont Lackner. „Dann können Mitarbeitende sich für das Arbeitszeitmodell entscheiden, das bestmöglich zu ihrer jeweiligen Lebenssituation passt.“

    „Ich genieße es, mehr Freizeit zu haben“, sagt Zerina Avdic, Pflegehelferin im MÜNCHENSTIFT-Haus an der Tauernstraße gut gelaunt. Wenn die MÜNCHENSTIFT die Vier-Tage-Woche nach dem Ende der Testphase weiter anbietet, möchte sie auf jeden Fall so weiter machen. Die langen Schichten seien kein Problem. „Ich kann mir auch gut vorstellen, 12-Stunden-Schichten zu arbeiten“, sagt die 21-Jährige. „An den langen Tagen habe ich viel mehr Zeit für unsere Bewohner:innen und kann mich intensiver mit ihnen beschäftigen. Das finde ich schön. Und weil die Dienste sich überschneiden, kann ich meine Kolleg:innen besser unterstützen.“

    "Ein wunderbares Konzept" 

    Auch Mirza Hasanovic, 36, Wohnbereichsleiter im MÜNCHENSTIFT-Haus Ramersdorf, ist mit seinem neuen Arbeitsalltag zufrieden. Er erzählt, dass er sich längere Dienste gewünscht hat und freut sich, jetzt die Möglichkeit dazu zu haben.  „So viel freie Zeit am Stück tut richtig gut“, sagt er. Schon zweimal hat er Kurztrips unternommen, in die Niederlande und nach Bosnien, ohne sich dafür Urlaub nehmen zu müssen. Auch er beobachtet, dass die langen Schichten die Personalsituation entspannen, vor allem am Morgen, wenn in der Pflege die meiste Arbeit anfällt. „Wenn man jung und ungebunden ist, ist das ein wunderbares Konzept“, findet er.

    Die MÜNCHENSTIFT testet die Vier-Tage-Woche als freiwilliges Angebot in jedem ihrer neun Pflegeheime in je einem Wohnbereich. Projektstart der sechs Monate langen Testphase war im Oktober, Zielgruppe sind Vollzeitpflegekräfte in der stationären Langzeitpflege.

    Mit der Vier-Tage-Woche sollen die Mitarbeitenden bei der MÜNCHENSTIFT längere Erholungsphasen haben: Wer vier lange Tage in Folge arbeitet, hat anschließend drei Tage am Stück frei. Bei einer entsprechenden Dienstplangestaltung können daraus sogar sechs oder mehr freie Tage am Stück werden. Weil sich wegen der langen Arbeitstage einzelne Dienste überlappen, können Mitarbeitende auch ihre Bürozeiten entspannter erledigen.